Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das dritte Himmelsquartal 2018
Totale Mondfinsternis, Mars in günstiger Opposition

Sternenhimmel

Hoch im Meridian sehen wir nun wieder das Sommerdreieck bestehend aus den Sternen Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler. Durch diese drei Sternbilder zieht sich auch das Band der Sommermilchstraße, welches wir an dunklen Beobachtungsplätzen sehr schön sehen können. Nördlich hiervon schließen sich die Sternbilder Cepheus und Kassiopeia an. Unterhalb des Adlers erkennt man das Sternbild des Schützen knapp über dem südlichen Horizont. Wesentlich besser ist diese Region natürlich bei einem Sommerurlaub am Mittelmeer zu sehen! Sämtliche Frühlingssternbilder haben sich nun in den Westteil des Himmels zurückgezogen. Lediglich Bootes und Herkules sind noch gut sichtbar am Westhimmel. Über dem Osthorizont machen die Sternbilder Pegasus und Andromeda bereits auf die kommende Jahreszeit aufmerksam. Südlich von ihnen auch die Sternbilder Steinbock und Wassermann. Auch der Perseus ist schon knapp über dem nordöstlichen Horizont sichtbar. Der Große Wagen ist bereits weit in den Nordwesten „gefahren“.

 

Meteore

Vom 8. Juli bis 19. August wird dieser ohnehin schon spektakuläre Sternhimmel vom Sternschnuppenstrom der südlichen Delta-Aquariden verziert, die am 29. Juli mit einer ZHR von 18 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Mit 42 km/s handelt es sich um eher schnelle Objekte, die ihren Ausstrahlungspunkt im Sternbild Wassermann haben, deren Herkunft aber unbekannt ist. Leider wird man aber wegen des Vollmonds am Tag des Maximums nicht viele dieser Objekte aufleuchten sehen. Vom 17. Juli bis 24. August kann man auch wieder die Perseiden beobachten, die am Morgen des 13. August mit einer ZHR von 100 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 60 km/s handelt es sich um schnelle Objekte, die ihren Ursprung im Kometen 109P/Swift-Tuttle haben und scheinbar aus dem Sternbild Perseus kommen. Der Tag des Maximums wird nicht durch Mondlicht gestört!

 

Totale Mondfinsternis

bild 00Am Abend des 27. Juli wird der Vollmond in Bremen um 21.24 MESZ aufgehen und aufmerksamen Beobachtern wird sofort auffallen, dass er an diesem Abend dunkler und deutlich rötlich gefärbt aufgehen wird. Er befindet sich dann nämlich bereits tief im Kernschatten der Erde! An diesem Abend findet also eine totale Mondfinsternis statt! Dadurch, dass diese Mondfinsternis eine Größe von 1,613 hat, wird der Mond auch besonders dunkel erscheinen, da der Vollmond tief in den Kernschatten der Erde eindringen wird. Da die bürgerliche Dämmerung erst um 22.11 MESZ und die nautische Dämmerung an diesem Abend erst um 23.13 MESZ eintreten wird, kann man mit interessanten Farbspielen am Osthimmel im Bereich des Mondes rechnen. Im Folgenden einige wichtige Daten zur Planung einer Beobachtung dieses schönen Ereignisses. Daten zu den Ein- und Austrittszeiten in und aus dem Halbschatten habe ich bewusst weggelassen, da man diese Verfinsterung als Amateur nur schwer
beobachten kann.

Eintritt in den Kernschatten: 20.24 MESZ
Beginn der Totalität: 21.30 MESZ
Mitte der Finsternis: 22.22 MESZ
Ende der Totalität: 23.14 MESZ
Austritt aus dem Kernschatten: 00.19 MESZ 

 

Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur wird vom 23. August bis 8. September mäßig gut am Morgenhimmel zu beobachten sein. Seine Helligkeit steigt in diesem Zeitraum von 0m5 auf -1m2. Mit einem scheinbaren Durchmesser von 7'' wird er am 28. August in seiner Halbphase (Dichotomie) stehen.

Venus wird noch den ganzen September am Abendhimmel zu sehen sein und steht am 21. September mit -4m8 im größten Glanz. Am 22. September ist sie bei einem scheinbaren Durchmesser von 40'' zu 25% beleuchtet – also schon deutlich sichelförmig. Mit 45°56' wird sie am 17. August in größter östlicher Elongation stehen. Bereits am 15. August wird sie ihre Halbphase (Dichotomie) bei einem scheinbaren Durchmesser von 24'' erreichen.

Der Mars erreicht dieses Jahr seine Opposition am 27. Juli im Sternbild Steinbock nur 6° südlich des total verfinsterten Mondes! Schon am 31. Juli wird er mit 57,6 Millionen Kilometern in Erdnähe stehen. Anfang Juli hat er noch eine Helligkeit von -2m1, zur Opposition bereits -2m8 (und somit dann heller als Jupiter) mit einem scheinbaren Durchmesser von 24''! Bis Ende August wird seine Helligkeit wieder auf -2m1 zurückgehen und sein Durchmesser auf 21'' schrumpfen. Diese Opposition ist wieder besonders günstig, da Oppositionstag und Perihel (im September) nicht weit auseinander liegen.

Der Ringplanet Saturn, der kurz nach seiner Opposition am 27. Juni im Sternbild Schütze steht, kann noch sehr gut beobachtet werden. Besonders, wenn man ihn im Sommerurlaub vom Mittelmeerraum aus angeht, wo er wesentlich höher am Himmel steht. Seine Helligkeit sinkt nur unwesentlich von 0m0 auf 0m5.

Am 7. September wird der bläuliche Gasplanet Neptun mit einer Helligkeit von 7m8 und einem scheinbaren Durchmesser von 2,4'' in Opposition stehen. Bei einem so kleinen Durchmesser sind mit herkömmlichen Amateurmitteln nicht viele Einzelheiten in seiner Atmosphäre sichtbar. Umso interessanter kann es sein, in einem mittleren Amateurteleskop seinen größten Mond Triton zu beobachten, der zur Opposition eine Helligkeit von 13m0 erreicht. Am Tag der Opposition trennen ihn rund 4,33 Milliarden Kilometer von uns.

Der Ringplanet Saturn wird am 27. Juni mit einer Helligkeit von 0m0 im Sternbild Schütze in Opposition stehen. Auch seine Planetenkugel ist bedingt durch eine schnelle Rotation stark abgeplattet. Sein scheinbarer Äquatordurchmesser misst 18,4'' und sein scheinbarer Poldurchmesser rund 16,8''. Sein Ring hat in diesem Jahr mit 26° noch fast seine maximale Öffnung, wodurch es besonders gut möglich ist auch mit kleinem Instrumentarium die CASSINI’sche Teilung im Ring zu sehen! Der scheinbare Ringlängsdurchmesser beträgt rund 41,7'' und der Querdurchmesser 18,3''. Allein die ungünstige Position im Sternbild Schütze wird es verhindern, dass man den Ringplaneten auf Grund von schlechtem Seeing in unseren Breiten öfter beobachten kann.

Der Zwergplanet Pluto wird schon am 12. Juli mit einer „Helligkeit“ von 14m2 im Sternbild Schütze in Opposition stehen. Als sternförmiges Objekt, bei dem mit Amateurmitteln keinerlei Einzelheiten zu erkennen sind, trennen ihn dann rund 5 Milliarden Kilometer von uns. Das entspricht einer Lichtlaufzeit von 4 Stunden und 31 Minuten!

 

Kleinplaneten

Fünf Planetoiden erreichen in diesem Quartal während ihrer Opposition eine Helligkeit von mindestens 10m0. Als erste erreicht (88) Thisbe am 20. Juli im Sternbild Schützen diese Position. Dieser 230 Kilometer große Kleinplanet wurde am 16. Juni 1866 von PETERS in Clinton entdeckt und wurde nach einer griechischen Nymphe benannt. Am 24. Juli wird (14) Irene ebenfalls im Schützen in Opposition stehen. Sie wurde am 19. Mai 1851 von HIND in Greenwich entdeckt und hat einen Durchmesser von 150 Kilometern. Benannt ist sie nach einer der griechischen Horen Eirene, die die Verkörperung des Friedens darstellen soll. Am 6. August 1871 wurde (115) Thyra von WATSON in Ann-Arbor entdeckt, die einen Durchmesser von 80 Kilometern hat. Sie wird am 2. September im Sternbild Pegasus in Opposition stehen. Sie wurde benannt nach der dänischen Königin Thyra DANEBOD, der Gemahlin von GORM, dem König von Jütland. (27) Euterpe kommt am 6. September im Wassermann in Opposition und hat einen Durchmesser von 96 Kilometern. Sie wurde am 8. November 1853 ebenfalls von HIND in Greenwich entdeckt und wurde nach der Muse der lyrischen Dichtung und dem Flötenspiel benannt. Als letzte wird (30) Urania am 19. September in den Fischen in Opposition stehen, die einen Durchmesser von 93 Kilometern hat. Auch sie wurde am 22. Juli 1854 von HIND in Greenwich entdeckt und nach der Muse der Astronomie benannt. In der folgenden Tabelle 1 habe ich alle relevanten Daten der Kleinplaneten zusammengestellt, um sie zur Oppositionszeit auffinden zu können.

 

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(14) Irene 20.07.
25.07.
30.07.
20h24m
20h19m
20h15m
-27°42'
-28°09'
-28°36'
10m0
10m0
10m0
Sgr
(27) Euterpe 30.08.
05.09.
10.09.
23h08m
23h03m
22h58m
-08°15'
-08°52'
-09°23'
10m0
9m8
9m9
Aqr
(30) Urania 15.09.
20.09.
25.09.
23h44m
23h39m
23h35m
+01°25'
+01°01'
+00°36'
9m7
9m6
9m8
Psc
(88) Thisbe 15.07.
20.07.
25.07.
20h00m
19h55m
19h51m
-17°27'
-17°26'
-17°26'
9m8
9m7
9m8
Sgr
(115) Thyra 30.08.
05.09.
10.09.
22h32m
22h25m
22h20m
+02°37'
+02°41'
+02°43'
9m9
9m9
9m9
Peg

 

Deep-Sky-Objekte

Um nun unsere Deep-Sky-Tour zu starten, benötigen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

7. bis 22. Juli
7. bis 20. August
4. bis 17. September

bild 03Wir starten unsere Deep-Sky-Tour diesmal beim Stern γ-Cep. Von hier drehen wir unser Teleskop 5,5° in südsüdöstliche Richtung und kommen zum Planetarischen Nebel NGC 40. Schon mit einem Vierzöller kann dieser Nebel bei einer Vergrößerung von 100x aufgefunden werden! Mit einem 17,5-Zöller war er bei V=167xWw+OIII (-Filter) ein sehr heller, runder und relativ großer Nebel mit zwei Helligkeitszonen. Er steht knapp östlich von einem schwachen Stern und hat durch seinen hellen Zentralstern sehr große Ähnlichkeit mit NGC 1514. Er wurde am 25. November 1788 von Friedrich Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist 3.500 Lichtjahre von uns entfernt. Sein Alter wurde auf 4.500 Jahre geschätzt bei einer Ausdehnungsgeschwindigkeit von 29 km/s. Einen weiteren hellen Planetarischen Nebel finden wir schon mit einem Achtzöller 4,8° nordöstlich von ζ-Cep. Beide bilden mit dem Stern ι-Cep ein flaches Dreieck. NGC 7354 ist dann bei einer Vergrößerung von 134xWw+OIII (-Filter) ein heller, kleiner und runder Nebel mit einer homogenen Helligkeit. Er wurde am 3. November 1787 von William HERSCHEL entdeckt und ist 6.800 Lichtjahre von uns entfernt. Schwenken wir einen Achtzöller 3,4° in südwestliche Richtung ausgehend vom Stern β-Cep, kommen wir zum Reflexionsnebel NGC 7023, der am 18. Oktober 1794 von Friedrich Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde und 1.300 Lichtjahre von uns entfernt ist, bei einem Durchmesser von 6 Lichtjahren. Dieses auch „Irisnebel“ genannte Objekt ist in meinem Achtzöller bei V=31xWw+UHC (-Filter) ein relativ großer und schwacher Nebel, der einen hellen Stern einbettet. Indirekt ist er am besten zu erkennen. In einem 17,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 167xWw ein sehr heller und großer Nebel, in dem ein Dunkelnebel zu sehen ist! Unser letztes Beobachtungsziel finden wir ausgehend vom Stern ζ-Cep. Von hier schwenken wir mindestens einen Vierzöller 2,4° in östliche Richtung und kommen dann zum Stern δ-Cep. Von hier sind es nochmals 2,4° in östliche Richtung und wir sind beim Offenen Sternhaufen NGC 7380. Bei V=31xWw ist er ein großer und relativ lockerer Sternhaufen mit wenig hellen Sternen. Mit meinem Achtzöller ist er bei V=53xWw ein sehr heller und großer Haufen mit etwa 50 Sternen, der am Westrand einen auffällig hellen Stern hat. Er gehört zusammen mit dem Gasnebel Sh 2-142 zu einem Sternentstehungsgebiet, welches 6.000 Lichtjahre von uns entfernt ist und einen Durchmesser von 100 Lichtjahren hat. Es wurde 1787 von Caroline HERSCHEL entdeckt. Bei einer Vergrößerung von 31xWw+OIII (-Filter) oder 40xWw+OIII (-Filter) ist der Nebel Sh 2-142 an meinem Achtzöller ein relativ kleiner, runder und heller Nebel, der homogen ist und den Offenen Sternhaufen NGC 7380 einhüllt. Am besten ist auch er indirekt zu sehen.

Wie immer wünsche ich allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Großen Bären

Objekt α δ Dimension Mag. Art .
NGC 40 00h13m +72°31' 38 x 35“ 10m7 PN  
NGC 7023 21h02m +68°10' 18' 6m8 RN  
NGC 7354 22h40m +61°17' 36“ 12m2 PN  
NGC 7380 22h47m +58°07' 25' 7m2 OH  
Sh 2-142 22h47m +58°07' 25'   GN  

 

Aufsuchkarte des Planetarischen Nebels NGC 40

bild 02

 

Fotografie von NGC 40

bild 05

 

Aufsuchkarte des Reflexionsnebels NGC 7023bild 06

 

Fotografie von NGC 7023bild 07

 

Aufsuchkarte des Planetarischen Nebels NGC 7023bild 08

 

Zeichnung des Planetarischen Nebels NGC 7023

bild 09

 

Aufsuchkarte des Offenen Sternhaufens NGC 7380

bild 10

 

Fotografie von NGC 7023

bild 09

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

Veranstaltungen

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Melden Sie ihre Feuerkugelsichtung

Haben Sie etwas Helles und Schnelles gesehen, das wie eine große Sternschnuppe aussah?

Berichten Sie uns davon: Es könnte eine Feuerkugel gewesen sein!

Feuerkugelsichtung melden

Öffnungszeiten

Geschäftszeit:
In der Regel sind wir mittwochs zwischen 18:00 und 20:00 Uhr persönlich für Sie da.

Sternwarte:
In der Regel mittwochs und freitags ab 19:00 während der Vortragssaison (Oktober bis April)

Olbers-Gesellschaft Bremen e.V.

c/o Olbers-Gesellschaft eingetragener Verein
Hochschule Bremen - Fachbereich Betriebswirtschaft und Nautik
Werderstraße 73
28199 Bremen

Telefon: (0421) 167 677 06
E-Mail: olbers@olbers-gesellschaft.de

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok