Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das zweite Himmelsquartal 20201
Venusbedeckung durch den Mond, Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) im Perihel

 

Sternenhimmel

Bei Beginn der astronomischen Dämmerung können wir nun wieder die im Süden versammelten klassischen Frühlingssternbilder Löwe, Jungfrau, Haar der Berenike und Bärenhüter sehen. Die Hauptsterne Arkturus im Bärenhüter, Spica in der Jungfrau und Regulus im Löwen bilden hierbei das so genannte Frühlingsdreieck. Direkt im Zenit finden wir den Großen Bären mit der Konstellation Großer Wagen. Knapp über dem Südhorizont schlängelt sich die Wasserschlange, auf deren Rücken wir den Becher und den Raben finden. Die letzten Wintersternbilder sind noch am Westhimmel sichtbar. Das bekannteste sind die Zwillinge. Tief im Osten kann man schon die ersten Vorboten der kommenden Jahreszeit sehen. Allen voran der Herkules, der es schon komplett über den Horizont geschafft hat und Teile des Schlangenträgers. Tief am Nordhorizont steht das Himmels-W, Kassiopeia – in Norddeutschland auch liebevoll Werder-W genannt. Sehr schön ist nun auch wieder das unscheinbare Sternbild Drache zu sehen, welches sich um den Kleinen Bären und den Polarstern schlängelt. Zu dieser Zeit geht unser Blick ohne Störungen durch Staub- und Gaswolken tief in den Weltraum, da das Milchstraßenband knapp über dem westlichen und nördlichen Horizont liegt. Deswegen wird diese Jahreszeit von Deep-Sky-Beobachtern auch Galaxienzeit genannt. Zu keiner anderen Zeit sind so  viele Galaxien beobachtbar! Helle Sterne sind dann aber nur wenige sichtbar.

 

Meteore

Vom 16. bis 25. April wird dieser Sternhimmel von den April-Lyriden verziert, die am 22. April mit einer ZHR von 13 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 47,9 km/s handelt es sich um ziemlich schnelle Sternschnuppen, die ihren Ausstrahlungspunkt im Sternbild Herkules haben. Sie sind bereits seit der Antike bekannt und haben ihren Ursprung im Kometen C/1861 G1 (Thatcher), der 415 Jahre benötigt, um einmal die Sonne zu umrunden. Vom 19. April bis 28. Mai sind dann wieder die Sternschnuppen der Eta-Aquariden aktiv, die am 7. Mai ihr Maximum mit einer ZHR von 28 Objekten pro Stunde haben werden und scheinbar aus dem Sternbild Wassermann kommen. Ihren Ursprung haben sie im berühmten Kometen 1P/Halley. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 66,8 km/s handelt es sich um sehr schnelle Meteore. Leider wird die Beobachtung stark durch den Vollmond eingeschränkt. Besser sind die äußeren Umstände vom 26. bis 30. Juni, wenn die Juni-Bootiden aktiv sind. Abgesehen von den aufgehellten Nächten in Norddeutschland stört der Mond die Beobachtung nur bis Mitternacht. Zu ihrem Maximum am 27. Juni werden sie zwar nur eine ZHR von etwa 5 Objekten pro Stunde haben, aber in der Vergangenheit ist es öfter mal zu erhöhten Raten gekommen, wie zum Beispiel 1998, als es 100 Objekte pro Stunde zu sehen gab! Diese Sternschnuppen kommen scheinbar aus dem Sternbild Bärenhüter. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 20,3 km/s handelt es sich um sehr langsame Sternschnuppen. Ihren Ursprung haben sie im Kometen Pons-Winnecke.

 

Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur kann vom 20. Mai bis 4. Juni in seiner zweiten Abendsichtbarkeit dieses Jahres beobachtet werden. Relativ einfach finden kann man ihn am 22. Mai, wenn er kurz nach Sonnenuntergang nur 54´ südlich von Venus stehen wird! Sein scheinbarer Durchmesser wächst von anfangs 5,9“ auf 8,3“ am Ende der Sichtbarkeit. Gleichzeitig nimmt seine Helligkeit von anfangs -1m0 auf 0m1 ab. Seine Halbphase (Dichotomie) erreicht er am 29. Mai mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“.

Unser Nachbarplanet Venus kann noch bis Ende Mai am Abendhimmel beobachtet werden, erreicht am 3. Juni ihre untere Konjunktion mit einem Abstand von 0,2° zum nördlichen Sonnenrand und wechselt dann wieder an den Morgenhimmel. Ihr scheinbarer Durchmesser wächst von anfangs 27“ auf 57,9“ Ende Mai. Gleichzeitig geht ihre Helligkeit auf Grund der immer schmaler werdenden Sichel von anfangs -4m8 auf -3m9 Ende Mai deutlich zurück! Ein lohnender Blickfang wird die Passage der Plejaden vom 2. bis 4. April sein! Am 3. April wird die Venus sogar im südlichen Teil der Plejaden stehen! Das Highlight des Quartals wird aber die Bedeckung der Venus durch den Mond am Morgen des 19. Juni sein! Hierbei wird die zwei Tage vor Neumond befindliche Sichel des Mondes von Westen kommend sie am Tageshimmel die kleine Sichel der Venus bedecken und nach etwa einer Stunde auf der unbeleuchteten Seite des Mondes wieder freigeben. Ein- und Austritt der Venus dauern hierbei etwa jeweils zwei Minuten.

Eintritt: 09h 52m 45s MESZ
Austritt: 10h 53m MESZ

Die Zeiten gelten für Bremen!

 

Kleinplaneten

Fünf Kleinplaneten werden im zweiten Himmelsquartal mit mindestens 10m0 Helligkeit ihre Opposition erreichen. Am 2. April wird (3) Juno in der Jungfrau in dieser Position stehen. Sie wurde am 1. September 1804 von HARDING entdeckt und nach der höchsten römischen Göttin benannt. Sie hat einen Durchmesser von rund 250 km . Nur zwei Tage später am 4. April steht (6) Hebe ebenfalls im Sternbild Jungfrau in dieser Position. Dieser 190 km große Himmelskörper wurde am 1. Juli 1847 von Karl Ludwig HENCKE entdeckt und nach der griechischen Göttin der Jugend benannt. Auch die 110 km große (40) Harmonia wird am 23. April in der Jungfrau in Opposition stehen. Sie wurde am 31. März 1856 von GOLDSCHMIDT entdeckt und nach der Göttin der Eintracht benannt. (42) Isis wurde am 23. Mai 1856 von POGSON entdeckt und am 23. Mai kommt sie im Skorpion in Opposition. Dieser 110 km große Planetoid wurde nach der ägyptischen Göttin Isis und der Tochter des Entdeckers benannt. Der Planetoid (7) Iris erreicht am 28. Juni im Sternbild Schütze seine Oppositionsstellung. Dieser 200 km große Kleinplanet wurde am 13. August 1847 von HIND entdeckt und nach der Götterbotin der griechischen Mythologie benannt.

 

Tabelle 1: Daten der im Text beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(3) Juno 30.03.
05.04.
10.04.
13h03m
12h58m
12h55m
+01°31´
+02°20´
+02°59´
9m5
9m5
9m6
Vir
(6) Hebe 30.03.
05.04.
10.04.
13h27m
13h22m
13h18m
+10°39´
+11°29´
+12°05´
10m0
10m0
10m0
Vir
(7) Iris 25.06.
30.06.
05.07.
18h31m
18h26m
18h20m
-20°43´
-20°36´
-20°30´
9m0
8m9
9m1
Sgr
(40) Harmonia 20.04.
25.04.
30.04.
14h17m
14h12m
14h07m
-06°47´
-06°25´
-06°05´
9m8
9m8
9m9
Vir
(42) Isis 20.05.
25.05.
30.05.
16h09m
16h04m
15h58m
-14°50´
-14°56´
-15°04´
10m0
10m0
10m0
Sco

 

Kometen

Der schon im ersten Quartal gut sichtbare Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) baut im zweiten Quartal seine Sichtbarkeit noch etwas aus! Laut Vorhersage wird er seine Helligkeit bis Anfang Mai noch bis 8m6 steigern. Am 5. Mai steht er im Perihel seiner Bahn und am 27. Mai mit 1,659 AE in Erdnähe. Sein Weg führt ihn von der Kassiopeia über die Giraffe in den Großen Bären. Entlang seines Weges wird er am 23. Mai nur rund 1° nordöstlich von M 81 und M 82 stehen und am 17. Juni nur 38´ südwestlich von M 109! Am 24. Juni steht er dann schließlich nur 50´ westlich von M 106!

 

Deep-Sky-Objekte

Natürlich benötigen wir zur Beobachtung der Deep-Sky-Objekte wieder einen klaren und vor allem mondlosen Sternhimmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

bild 00Unsere Deep-Sky-Tour führt uns heute in das Sternbild Bärenhüter, auch Bootes genannt. Das erste Objekt dieses Abends finden wir ausgehend vom Stern η-UMa, der äußeren Deichselspitze des Großen Wagens. Von hier schwenken wir unser Teleskop 3,4° östlich bis zum Stern 13-Boo. Dann sind es nur noch weitere 4° in östliche Richtung und wir kommen zur Galaxie NGC 5676. Sie wurde am 15. Mai 1787 von William HERSCHEL entdeckt und ist 100 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. In meinem 8-Zöller ist sie bei einer Vergrößerung von 57xWw klein und nahezu rund. Nun stellen wir zunächst den Hauptstern des Bärenhüters Arkturus in unserem Teleskop ein. Von hier schwenken wir das Instrument 6,6° südöstlich bis
π1-Boo. Nun geht es 2,7° südlich bis ζ-Boo. Von hier schwenken wir das Teleskop 6,3° ostsüdöstlich und kommen zur Galaxie NGC 5851, die zusammen mit NGC 5852 am 26. Mai 1791 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde und 291 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Sie bildet mit NGC 5852 ein wechselwirkendes
Paar und hat einen aktiven Galaxienkern. NGC 5851 war in einem 17,5-Zöller eine homogene, kleine und runde Galaxie. Sie war sehr diffus und am besten indirekt bei V=298xWw zu sehen. Sie steht mit NGC 5852 und PGC 53961 in einem Gesichtsfeld. NGC 5852 wiederum ist eine relativ große, helle Galaxie mit einem hellen Kern. PGC 53961 ist eine sehr schwache, runde und homogene Galaxie, die sehr diffus ist. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke von Arkturus zu α-CVn findet man den hellen und großen Kugelsternhaufen M 3. Wenn wir unser Teleskop von hier rund 5° in östliche Richtung schwenken, kommen wir zu unserem nächsten Ziel, dem Kugelsternhaufen NGC 5466. Er wurde am 17. Mai 1784 von William HERSCHEL entdeckt und ist 55.000 Lichtjahre von uns und vom Zentrum unserer Milchstraße entfernt. Er zählt mit 100.000 Sonnenmassen zu den masseärmsten Kugelsternhaufen der Milchstraße. Nur seinem großen Abstand von der Milchstraße verdankt er es, dass er von ihr noch nicht zerrissen wurde. Mit einem 17,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 105x-Ww ein relativ großer und schwacher Haufen, der aber nur bei indirektem Sehen aufgelöst werden konnte. Er ist ziemlich locker angeordnet. Auch für unser letztes Ziel für heute Abend stellen wir zunächst wieder den Arkturus ins Gesichtsfeld unseres Teleskops. Von hier geht es rund 6° südlich bis zu einem Sterndreieck, welches aus den Sternen 14, 15 und 18-Boo gebildet wird. Von der südlichen Spitze des Dreiecks (15-Boo) schwenken wir weitere 3,2° westsüdwestlich und kommen zur Galaxiengruppe um NGC 5424. Bei Vergrößerungen von 167xWw und 227xWw ist die Hauptgalaxie NGC 5424 im 17,5-Zöller eine kleine, helle Galaxie mit hellem, sternförmigem Kern, die mit NGC 5434, NGC 5431, NGC 5423 und PGC 50019 in einem Gesichtsfeld steht. Sie wurde am 25. April 1883 von Wilhelm TEMPEL entdeckt und die ganze Gruppe ist 265 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. NGC 5434 ist dann eine große, runde und homogene Galaxie. NGC 5431 wird zu einer kleinen, runden und schwachen Galaxie, die am besten indirekt zu sehen ist. NGC 5423 ist bei dieser Vergrößerung eine kleine, runde und helle Galaxie mit einem hellen, sternförmigen Kern. PGC 50019 schließlich ist dann eine kleine, runde und lichtschwache Galaxie, die eine homogene Helligkeitsverteilung hat.

Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

11. bis 25. April
09. bis 25. Mai
08. bis 24. Juni

 

Tabelle 3: Daten des Kometen C/2017 T2 (PANSTARRS)

Datum RA Dekl. Mag. Konst.
01.04.
10.04.
20.04.
30.04.
10.05.
20.05.
30.05.
10.06.
20.06.
30.06.
03h01m
03h36m
04h35m
06h05m
07h58m
09h36m
10h43m
11h32m
12h04m
12h28m
+68°46´
+71°29´
+74°21´
+76°11´
+75°38´
+72°05´
+66°16´
+58°20´
+50°29´
+42°29´
8m9
8m8
8m7
8m6
8m6
8m6
8m7
8m8
8m9
9m1
Cas
Cas
Cam
Cam
Cam
UMa
UMa
UMa
UMa
CVn

 

Tabelle 4: Daten der im Text beschriebenen Deep-Sky-Objekte

Objekt RA Dekl. Dimension Mag. Art
NGC 5466
Gruppe NGC 5424
NGC 5676
NGC 5851
14h06m
14h03m
14h33m
15h07m
+28°32´
+09°26´
+49°28´
+12°52´
11´

3,7 x 1,6´
1 x 0,2´
9m0

11m2
14m0
KH
GH
G
G

Bahn des Kometen C2017 T2 (PANSTARRS) von Anfang April bis Ende Juni

bild 01

 

Aufsuchkarte des Galaxienpaares NGC 5851 / NGC 5852

bild 02

 

Zeichnung der Galaxien um NGC 5851

bild 05

 

Aufsuchkarte des Kugelsternhaufens NGC 5466

bild 06 

 

Aufsuchkarte der Galaxie NGC 5676

bild 07

 

Zeichnung der Galaxiengruppe NGC 5424

bild 07

 

Aufsuchkarte der Galaxiengruppe NGC 5424 (Detail)

bild 06

 

Aufsuchkarte der Galaxiengruppe NGC5424

bild 10

 

Foto des Kugelsternhaufens NGC 5466

bild 11

 

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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