Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das vierte Himmelsquartal 2018
Uranus in Opposition, Komet 46P/Wirtanen in Erdnähe

Sternenhimmel

Hoch im südlichen Meridian steht nun wieder das Herbstviereck des Sternbildes Pegasus. Ihm schließt sich in östlicher Richtung direkt das Sternbild Andromeda an, in dem wir schon mit dem bloßen Auge in 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung die Andromedagalaxie erkennen können. Sämtliche Sommersternbilder sind bereits weit in den Westteil des Himmels gewandert. Die Sternbilder Schwan und Leier können aber noch gut beobachtet werden. Etwas unterhalb der Sternbilder Pegasus und Andromeda finden wir die lichtschwachen Sternbilder Wassermann, Walfisch und Fische. Im  Ostteil des Himmels können wir schon die ersten Vorboten der kommenden Jahreszeit erkennen. Allen voran die beiden Sternbilder Stier mit seinem rötlichen Hauptstern Aldebaran und der Fuhrmann mit seiner leuchtenden Kapella. Der Große Wagen steht nun wieder knapp über dem nördlichen Horizont. Dagegen erreicht das Werder-W Kassiopeia gerade den Zenit seiner Jahresbahn.

 

Meteore

Mehrere Meteorströme verzieren in diesem Quartal den etwas lichtschwachen Herbsthimmel. Vom 2. bis 16. Oktober können die Meteore der Draconiden beobachtet werden, die ihr Maximum am 9. Oktober mit einer ZHR von 20 Objekten pro Stunde haben werden. Ihren Ursprung haben sie im Kometen 21P/Giacobini-Zinner, der im vergangenen Sommer gut beobachtet werden konnte. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 23,7 km/s sind es ziemlich langsame Objekte. Vom 2. Oktober bis 7. November haben dann die Orioniden ihre Aktivität. Am 22. Oktober haben sie mit einer ZHR von 23 Objekten pro Stunde ihr Maximum, welches aber durch den Mond gestört werden wird. Sie sind Auflösungsprodukte des Kometen Halley und sind mit 67,1 km/s sehr schnell. Die Leoniden, die scheinbar aus dem Sternbild Löwe kommen, fliegen vom 10. bis 23. November über unseren Himmel und haben ihr Maximum mit einer ZHR von 15 Objekten pro Stunde am 17. November. Sie werden ebenfalls vom Mond gestört. Die Leoniden kommen vom Kometen Tempel-Tuttle und sind mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 18,7 km/s sehr langsam. Die Geminiden, die scheinbar aus dem Sternbild Zwillinge kommen, können wir vom 7. bis 17. Dezember sehen. Ihr Maximum haben sie am 14. Dezember mit einer ZHR von 88 Objekten pro Stunde und werden nur kurz durch den Mond gestört. Ihre Sternschnuppen kommen vom Asteroiden (3200) Phaeton, haben eine Eintrittsgeschwindigkeit von 36,2 km/s und sind somit mittel-schnell. Vom 17. bis 26. Dezember haben dann schließlich die Ursae Minoriden ihren „Auftritt“ und haben ihr Maximum mit einer ZHR von 12 Objekten pro Stunde am 23. Dezember. Mit einer Geschwindigkeit von 34,8 km/s sind sie ebenfalls mittel-schnell. Zur Beobachtung aller beschriebenen Meteorströme gilt es sich warm anzuziehen, heißen Tee mitzunehmen und einen bequemen Liegestuhl nicht vergessen! So gelingt bei entsprechendem Wetter eine unvergessliche Beobachtungsnacht!

 

Planeten

Am 26. Oktober wird die Venus in unterer Konjunktion mit der Sonne stehen. Bis etwa 20. Oktober kann man unseren inneren Nachbarn mit einer Helligkeit von -4m8 noch am Tageshimmel beobachten. Natürlich nur mit den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, da sie ja schon ziemlich dicht bei der Sonne stehen wird! Der scheinbare Durchmesser wächst in der Zeit vom 1. bis 20. Oktober von 49'' auf 60''!

Am 24. Oktober wird der grünliche Planet Uranus im Sternbild Widder in Opposition stehen. Bei einem scheinbaren Durchmesser von 3,7'' sind mit herkömmlichen Amateurinstrumenten keine Einzelheiten auf seiner Oberfläche erkennbar, aber bei einer Helligkeit von 5m7 kann man ihn an einem dunklen Beobachtungsplatz durchaus mit bloßem Auge auffinden! Außerdem können mit Amateurmitteln seine Monde Titania, Oberon, Ariel und Umbriel aufgefunden werden, die Helligkeiten zwischen 13m5 und 14m5 haben. Bei einer Oppositionsentfernung von rund 2,8 Milliarden Kilometer braucht sein Licht 2 Stunden 37 Minuten zu uns! Entdeckt wurde er am 13. März 1781 von Wilhelm HERSCHEL.

 

Kleinplaneten

Vier Kleinplaneten erreichen während ihrer Opposition in diesem Quartal mindestens eine Helligkeit von 10m0. (3) Juno wird am 17. November im Sternbild Eridanus in Opposition stehen. Sie wurde am 1. September 1804 von Karl Ludwig HARDING entdeckt und hat einen Durchmesser von 250 Kilometern. Benannt wurde sie nach der höchsten römischen Göttin.

Am 7. Dezember wird (433) Eros im Sternbild Giraffe seine Opposition erreichen. Sie wurde am 13. August 1898 von Gustav WITT entdeckt und hat einen Durchmesser von gerade mal 17 Kilometern. Benannt ist sie nach der griechischen Göttin der Liebe.

(40) Harmonia wird am 8. Dezember im Sternbild Stier in Opposition stehen. Dieser 110 Kilometer große Brocken wurde am 31. März 1856 von GOLDSCHMIDT entdeckt und wurde nach der Göttin der Eintracht benannt. Als letzte wird (6) Hebe am 28. Dezember im Sternbild Einhorn in Opposition stehen. Dieser 190 Kilometer große Asteroid wurde am 1. Juli 1847 von Karl Ludwig HENCKE entdeckt und wurde nach der Göttin der Jugend benannt. In Tabelle 1 habe ich alle wichtigen Daten zur Auffindung der beschriebenen Kleinplaneten zusammengefasst.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(3) Juno 10.11.
15.11.
20.11.
03h59m
03h55m
03h52m
-02°23'
-03°05'
-03°39''
7m5
7m5
7m5
Eri
(6) Hebe 25.12.
30.12.
05.01.2019
06h26m
06h21m
06h15m
+05°01'
+05°37'
+06°28'
8m4
8m5
8m5
Mon
Ori
Ori
(40) Harmonia 30.11.
05.12.
10.12.
05h12m
05h06m
05h00m
+20°19'
+20°23'
+20°26'
9m7
9m5
9m4
Tau
(433) Eros 01.12.
05.12.
10.12.
04h30m
04h25m
04h20m
+62°15'
+62°02'
+61°16'
9m9
9m7
9m6
Cam

Kometen

Ab Anfang Dezember können wir auch wieder den Kometen 46P/Wirtanen beobachten. Zunächst wird er im Sternbild Eridanus zu beobachten sein und wandert dann weiter in den Walfisch und mit großer Geschwindigkeit Richtung Stier, wo er am 12. Dezember im Perihel stehen wird. Weiter geht es für ihn in den Perseus und in den Fuhrmann. Von dort dann in den Luchs, wo er dann langsam wieder verblassen wird. Seine größte Helligkeit erreicht er am 16. Dezember in Erdnähe, was eine schöne Kometenerscheinung verspricht, da Perihel und größte Helligkeit nah beieinander liegen. Er wurde am 18. Januar 1948 von Carl WIRTANEN am Lick-Observatorium in den USA entdeckt. Durch zwei enge Begegnungen mit Jupiter (1972 und 1984) änderte sich seine Umlaufzeit von 6,6 auf 5,5 Jahre und die Periheldistanz verkleinerte sich von 1,61 AE auf 1,05 AE! Einige Daten zum Auffinden dieses Kometen habe ich in Tabelle 2 zusammengefasst.

 

Tabelle 2: Daten des beschriebenen Kometen 46P/Wirtanen

Datum α δ Mag. Konst.
05.12.
10.12.
15.12.
20.12.
25.12.
30.12.
02h47m
03h12m
03h47m
04h35m
05h36m
06h39m
-13°08'
-00°46'
+16°16'
+34°26'
+48°07'
+55°38'
8m6
8m2
7m9
8m0
8m4
8m9
Eri
Cet
Tau
Per
Aur
Lyn

 

Deep-Sky-Objekte

Vor allem zur Beobachtung des Kometen und der Deep-Sky-Objekte benötigen wir auf jeden Fall wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

Tabelle 3: Mondlose Beobachtungszeit

7. bis 22. Juli
7. bis 20. August
4. bis 17. September

Unsere Deep-Sky-Tour führt uns heute in das Sternbild der Fische. Ausgangspunkt für unser erstes Objekt wird der Stern η-Psc. Von hier schwenken wir mindestens einen Achtzöller 1,4° in westnordwestliche Richtung. Hier finden wir bei einem dunklen Himmel und einer Vergrößerung von 83xWw die relativ große und runde Galaxie M 74, die ziemlich schwach ist, aber zum Kern hin langsam heller wird. Sie wurde 1780 von Pierre MÉCHAIN entdeckt, ist rund 23 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 95.000 Lichtjahren, also etwa so groß wie unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße. Mit einem 17,5-Zöller war bei einer Vergrößerung von 227xWw auch ein Spiralarm zu sehen, und am 2. Februar 2002 konnte ich die Supernova SN 2002 ap in ihr beobachten!

Schwenken wir einen Achtzöller von α-Ari rund 20,5° in südliche Richtung, kommen wir zum Hauptstern der Fische α-Psc; auch Alrescha genannt. Bei einer Vergrößerung von 284xWw ist dieser Stern dann als enges Doppelsternsystem sichtbar, wobei beide Komponenten etwa gleich hell sind! Dieses System ist etw 140 Lichtjahre von uns entfernt und benötigt 700 Jahre um sich einmal zu umkreisen. Die Hauptkomponente mit der Spektralklasse A0p leuchtet 31-mal und der Begleiter mit der Spektralklasse A3m leuchtet 12-mal heller als unsere Sonne! Um das Jahr 2060 werden die beiden Komponenten ihr Periastron haben. Ebenfalls mit einem Achtzöller finden wir 3,7° südöstlich von β-And die Galaxie NGC 507. Sie wurde am 12. September 1784 von Friedrich Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist 227 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Bei V=114xWw ist sie im Achtzöller relativ schwach, groß, rund und mit einem hellen und großen Kern zu sehen. Vier weitere Galaxien sind bei dieser Vergrößerung sichtbar. NGC 494, NGC 495 und NGC 517 sind allesamt relativ helle Objekte, die sich um NGC 507 gleichmäßig verteilen. Auch NGC 515 gesellt sich zu dieser Gruppe, ist allerdings relativ schwach. Mit einem 17,5-Zöller und einer Vergrößerung von 167xWw sind noch vier weitere Galaxien im direkten Umfeld von NGC 507 sichtbar, wovon NGC 499 und NGC 504 relativ hell sind und IC 1687 und NGC 508 relativ schwach sind. NGC 508 steht unmittelbar neben NGC 507. Eine weitere Galaxiengruppe finden wir mit einem 16-Zöller südlich der Sterne μ-Psc und ε-Psc. Bilden wir ein Dreieck, indem wir etwa 4° von μ-Psc in südwestliche Richtung und 5,7° von ε-Psc in südöstliche Richtung wandern, kommen wir zum Stern 89-Psc. Von dort sind es nur noch 34´ in südöstliche Richtung und wir sind bei der Gruppe NGC 474. Die Hauptgalaxie NGC 474 wurde am 13. Dezember 1784 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist rund 100 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Bei einer Vergrößerung von 168xWw sind drei Galaxien genau in einer Reihe zu sehen (NGC 467, NGC 470, und NGC 474). Steigert man die Vergrößerung auf 300xWw, ist NGC 474 als Spirale mit einem Staubband nahe des Kerns zu sehen! Diese Galaxiengruppe wird auch als Zentrum von Arp 227 bezeichnet.

Tabelle 4: Daten der im Text beschriebenen Deep-Sky-Objekte in den Fischen

Objekt α δ Dimension Mag. Art .
M 74
Gruppe NGC 474
Gruppe NGC 507
α-Psc
01h37m
01h20m
01h24m
02h02m
+15°47'
+03°25'
+33°15'
+02°46'
11 x 11'
10 x 9,2'
4,1 x 4,1'
1,8''
9m4
11m5
11m2
4m33 / 5m23
G
G´s
G´s
DS
 

 

Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Die Galaxiengruppe NGC 474

bild 01

 

Aufsuchkarte von α-Pisces

bild 02

 

Die Galaxiengruppe NGC 507bild 03

 

Aufsuchkarte für die Galaxie M 74bild 04

 

Die Galaxie M 74bild 05

 

Aufsuchkarte für die Galaxiengruppe NGC 474

bild 06

 

Detailkarte der Galaxiengruppe NGC 474

bild 07

 

Aufsuchkarte für die Galaxiengruppe NGC 507

bild 08

 

Detailkarte der Galaxiengruppe NGC 507

bild 09

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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