Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das zweite Himmelsquartal 2021
Quadrantiden im Januar, sechs Kleinplaneten in Opposition

 

Sternenhimmel

Der Große Wagen steht mittlerweile wieder direkt über unseren Köpfen im Zenit und im Süden das Frühlingsdreieck – bestehend aus den Sternen Regulus im Löwen, Spica in der Jungfrau und Arkturus im Bootes – im Meridian. Tief am Südhorizont schlängelt sich die Wasserschlange, auf deren Rücken sich die Sternbilder Becher und Rabe befinden. Die Wintersternbilder sind schon weit in den Westhimmel gewandert, so dass sie bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr sinnvoll zu beobachten sind. Im Osten künden die Sternbilder Schlangenträger, Herkules und Leier vom baldigen Sommer. Bei guter Horizontsicht kann man tief am Nordhorizont das Himmels-W der Kassiopeia am tiefsten Punkt seiner Bahn um den Himmelspol erkennen. Die Milchstraße zieht sich zu dieser Jahreszeit tief am Ost-, Nord- und Westhorizont entlang, wodurch unser Blick ungetrübt durch Gasund Staubwolken unserer Milchstraße weit in den intergalaktischen Raum geht und wir in dieser Jahreszeit besonders viele Galaxien beobachten können. Vor allem im Bereich zwischen den Sternbildern Löwe und Bootes, wo sich das Haar der Berenice befindet, an dessen südlicher Grenze sich das Sternbild Jungfrau anschließt.

 

Meteore

Vom 16. bis 25. April kann man die Lyriden beobachten, die ihren Ursprung im Kometen C/1861 G1 (THATCHER) haben. Ihr Maximum werden sie in der Nacht vom 22. auf den 23. April haben, wenn man unter günstigsten Bedingungen 18 Objekte pro Stunde sehen kann, die mit einer Geschwindigkeit von 49 km/s in die Atmosphäre eintreten werden. Vom 19. April bis 28. Mai kann man dann die Eta Aquariden beobachten, die ihren Ursprung im Kometen 1P/Halley haben. Ihr Maximum haben sie in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai mit einer ZHR von 50 Objekten pro Stunde. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 66 km/s ziehen sie deutlich schneller über den Sternhimmel als die Lyriden! Leider stört in beiden Fällen der noch und der bereits halbe Mond die Beobachtung.

 

Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur kommt am 17. Mai mit 22°01´ Sonnenabstand in seine größte östliche Elongation und kann somit ziemlich gut am Abendhimmel beobachtet werden! Seine Helligkeit nimmt relativ rasch von -1m1 am 1. Mai auf -0m3 am 10. Mai ab. Dennoch ist er bis etwa 18. Mai mit dann 0m2 gut sichtbar. Am 1. Mai wird er sich ab 20.10 h MESZ in der Dämmerung bemerkbar machen und mit einem Vierzöller ab einer Vergrößerung von 150x ein lohnendes Beobachtungsobjekt werden. Seine Halbphase (Dichotomie) erreicht er am 12. Mai, die man im Vierzöller ohne Schwierigkeit erkennen kann. Ab Mitte Mai wird sich auch die Venus wieder allmählich am Abendhimmel durchsetzen. Mit einer Helligkeit von -3m9 und einer östlichen Elongation von 17°, kann sie bei einem scheinbaren Durchmesser von knapp 10‘‘ im Teleskop noch nicht überzeugen, da sie mit einem Beleuchtungsgrad von 95% ein noch nahezu rundes Objekt ist. Bis Ende Juni wird ihr scheinbarer Durchmesser unmerklich auf 11,3“ wachsen und der Beleuchtungsgrad auf 90% abnehmen.

 

Planetoiden

Der Kleinplanet (9) Metis wird am 4. April im Sternbild Jungfrau in Opposition stehen. Dieser 222 x 182 x 130 km große Himmelskörper wurde am 25. April 1848 von Andrew GRAHAM am Markree Observatorium in Irland entdeckt und ist nach der Tochter von Tethys und Oceanus benannt. (63) Ausonia wurde am 10. Februar 1861 vom italienischen Astronomen Annibale DE GASPARIS entdeckt und hat einen Durchmesser von 103 km. Benannt wurde sie nach einer sehr alten Bezeichnung für Italien. Am 3. Juni wird sie knapp über dem
südlichen Horizont im Sternbild Skorpion in Opposition stehen. (3) Juno steht schließlich am 6. Juni im Schlangenträger in Opposition, sie wurde am 1. September 1804 von Karl Ludwig HARDING entdeckt. Benannt wurde dieser 234 km große Kleinplanet nach der Frau des Jupiter.

 

 

Tabelle 1: Daten der im Text beschriebenen Planetoiden

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(3) Juno 01.06.
05.06.
10.06.
17h13m
17h09m
17h06m
-04°26´
-04°17´
-04°10´
10m2
10m1
10m1
Oph
(9) Metis 01.04.
05.04.
10.04.
13h10m
13h06m
13h01m
+00°47´
+01°06´
+01°27´
9m5
9m5
9m6
Vir
(63) Ausonia 01.06.
05.06.
10.06.
16h42m
16h38m
16h33m
-33°23´
-33°16´
-33°02´
9m7
9m7
9m8
Com

 

Ereignisse

Das Highlight des Himmelsquartals wird die bei uns partiell sichtbare Sonnenfinsternis am 10. Juni. Im Norden Kanadas, im nordwestlichen Teil Grönlands und am Nordpol wird sie ringförmig zu sehen sein. Etwa 17% der Sonnenscheibe wird vom Neumond in Bremen bedeckt werden, wenn er sich zwischen Erde und Sonne hindurchbewegt. Ab 11h26m MESZ schiebt sich der Mond langsam von Westen kommend über die Sonnenscheibe. Um 12h31m MESZ wird dann die maximale Bedeckung erreicht sein, bis um 13h39m MESZ der Mond die Sonnenscheibe wieder vollständig verlassen haben wird. Hierbei sei wieder davor gewarnt, die Sonne nicht ungeschützt mit einem optischen/astronomischen Gerät zu beobachten! Sofortige Erblindung wäre die Folge! Auch das freiäugige Beobachten mit einem Schweißerglas sollte unterlassen werden! Völlig gefahrlos kann man zum Beispiel die Sonne mit einer so genannten Finsternisbrille beobachten. Aus Sonnenfolie kann man sich auch ohne große Mühe einen Objektivsonnenfilter basteln und vorne vor das Objektiv seiner Kamera oder seines Teleskops anbringen. Noch gefahrloser lässt sich das Sonnenbild auf einen weißen Schirm projizieren, das man dann sogar mit mehreren Personen gleichzeitig betrachten kann. Die folgenden Daten gelten für Bremen:

Begin der Finsternis: 11h 26m MESZ
Mitte der Finsternis: 12h 31m MESZ
Ende der Finsternis: 11h 39m MESZ

 

Deep-Sky-Objekte

Für unsere heutige Deep-Sky-Tour im Sternbild Haar der Berenice benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. (s.Tabelle 2)

bild 00

Unser erstes Objekt am heutigen Abend finden wir ausgehend vom Stern α-Com. Nur 57 Bogenminuten nordöstlich von α-Com sehen wir den Kugelsternhaufen M 53, der am 3. Februar 1775 von BODE entdeckt wurde und rund 60.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Sein Durchmesser beträgt 200 Lichtjahre und er ist wahrscheinlich Mitglied des Sagittarius Zwerggalaxien Gezeitenstroms. Außerdem hat man einen Gezeitenstrom zum benachbarten Kugelsternhaufen NGC 5053 gefunden! In meinem 60 mm Refraktor war er bei einer Vergrößerung von 46x als kleines und homogenes Objekt sichtbar, welches nicht in Einzelsterne aufzulösen war. Im Achtzöller sind dagegen bei V=80x indirekt die Randzonen aufzulösen! Schwenken wir unser Teleskop von α-Com 5,2° in nordwestliche Richtung, landen wir bei der Spiralgalaxie M 64, die wegen ihres extrem auffälligen Staubbandes im Kernbereich auch auf den Namen „Black Eye Galaxie“ hört. Sie befindet sich ziemlich im Zentrum eines Sterntrapezes, welches aus den Sternen 35-Com (5m0), SAO 82559 (7m0), TYC 1456359 (7m2) und SAO 82613 (7m0) gebildet wird und wurde am 23. März 1779 vom britischen Astronomen Edward PIGOTT in Wales entdeckt. William HERSCHEL sah dann als Erster das große Staubband nördlich vom Galaxienkern. Charles BLAGDEN verglich diese Wolke mit einem schwarzen Auge – daher der Name. M 64 befindet sich in einer Entfernung von 17 Millionen Lichtjahren und hat einen Durchmesser von 54.000 Lichtjahren. Somit ist sie nur ungefähr halb so groß wie unsere Milchstraße. In meinem 2,5-Zöller war sie bei einer Vergrößerung von nur 26x sehr hell und als eine ovale Scheibe zu erkennen, die zwischen zwei hellen Sternen steht. Im Achtzöller war bei V=83xWw sehr schön der Staubstreifen zu sehen, der quer durch die Galaxie verläuft und im 17,5-Zöller war sie bei V=167xWw eine große, ovale Galaxie, in der knapp nördlich des hellen Kerns deutlich der Dunkelstreifen zu sehen ist. Wenn wir mit unserem Vierzöller die Sternkette von γ-Com ausgehend in südliche Richtung über die Sterne 14-Com, 16-Com bis 17-Com wandern, die wir übrigens auch bereits alle mit dem bloßen Auge erkennen können, müssen wir das Teleskop nur noch 1,7° östlich von 17-Com schwenken und sind bei der Spiralgalaxie NGC 4565, die wir genau von der Kante sehen. Diese von Wilhelm HERSCHEL am 6. April 1785 entdeckte Galaxie, die auch „Nadelgalaxie“ genannt wird, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahre und ist 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Schon im Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 83xWw als sehr schmale und lange Galaxie zu sehen, wo bei V=83xWw bereits ein kleines Staubband im Kernbereich zu sehen ist. Im 16-Zöller ist dieses Staubband bei V=143xWw komplett sichtbar und gleichzeitig befindet sich die Galaxie NGC 4562 im gleichen Gesichtsfeld am Ende einer geschwungenen Sternkette südwestlich von NGC 4565. Das nächste Objekt finden wir, indem wir das Teleskop ausgehend von β-Leo (Denebola) 6,5° in östliche Richtung bis zum Stern 6-Com schwenken. Von dort geht es in nordöstliche Richtung über zwei 6m5 helle Sterne bis zur Spiralgalaxie M 100. Diese wurde am 15. März 1781 von Pierre MÉCHAIN entdeckt und ist 68 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Bei einem Durchmesser von 155.000 Lichtjahren handelt es sich um eine Galaxie, die etwa genauso groß ist wie unsere Milchstraße. Dadurch, dass wir sozusagen von oben/unten auf die Spirale schauen, sind wir in der glücklichen Lage, einen besseren Überblick über sie zu haben, was unter anderem auch dazu geführt hat, dass seit 1901
insgesamt sieben Supernovae in ihr entdeckt wurden. Die bisher letzte wurde am 7. Januar 2020 (SN 2020 oi) entdeckt. Die beiden Galaxien NGC 4322 nördlich und NGC 4328 östlich von M 100 sind Satellitengalaxien der relativ großen Spirale. Im Achtzöller ist M 100 bei einer Vergrößerung von 40xWw eine relativ große und helle Galaxie, bei der zum Kern hin die Helligkeit schnell ansteigt. Unser letztes Objekt für heute Abend finden wir, indem wir unser Teleskop von M 100 aus weitere 2° in nordnordwestliche Richtung bis zum Stern 11-Com schwenken. Von dort sind es nur noch 2,6° in westnordwestliche Richtung und wir sind beim Kugelsternhaufen NGC 4147. Dieser ist 60.000 Lichtjahre von uns entfernt, hat einen Durchmesser von 100 Lichtjahren und wurde am 15. Februar 1784 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt. Mit nur 40.000 Sonnenmassen ist dieser Kugelsternhaufen einer der kleinsten und sternärmsten Vertreter seiner Klasse (1/10 eines durchschnittlichen Kugelhaufens der Milchstraße). Mit einem 17,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 227xWw ein indirekt bis zum Kern körniger Haufen, der relativ hell ist. Südlich vom Kernbereich ist ein relativ heller Stern in der Randzone zu erkennen.

 

Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

bis 25. April
30. April bis 14. Mai
29. Mai bis 15. Juni

 

Tabelle 3: Daten der im Text beschriebenen Deep-Sky-Objekte

Objekt RA Dekl. Dimension Mag. Art
M 53
M 64
M 100
NGC 4147
NGC 4565
13h 14m
12h 58m
12h 24m
12h 11m
12h 37m
+18°03´
+21°34´
+15°42´
+18°26´
+25°52´
13´
10,5 x 5,3´
6,1 x 5,6´
4,4´
16,8 x 2,9´
7m6
8m4
9m3
10m3
9m0
KH
G
G
KH
G

 

Simulation der Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021

bild 01

 

Aufsuchkarte der Kugelsternhaufens M 53

bild 02

 

Aufsuchkarte der Galaxie M64

bild 05

 

Aufsuchkarte der Galaxie M 100

bild 06 

 

Aufsuchkarte des Kugelsternhaufens NGC 4147

bild 07

 

Aufsuchkarte der Galaxie NGC 4565

bild 06

 

Zeichnung des Kugelsternhaufens M 53 

bild 07

 

Zeichnung der Galaxie M 64

bild 08

 

Zeichnung der Galaxie NGC 4565

bild 09

 

Foto der Galaxie M 64

bild 10

 

Foto der Galaxie M 100

bild 11

 

Foto der Galaxie NGC 4565

bild 12

 

Foto des Kugelsternhaufens M 53

bild 13

 

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

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