Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das zweite Himmelsquartal 2018
Jupiter & Saturn in Opposition / Im Juni 3 Planetoiden innerhalb von 5 Tagen in Opposition

Sternenhimmel

Mittlerweile haben sich die meisten Wintersternbilder von der Himmelsbühne verabschiedet. Die Frühlingssternbilder beherrschen das Geschehen. Hoch im südlichen Meridian sieht man den Löwen mit seinem hellen Hauptstern Regulus. Gefolgt wird der Löwe von der Jungfrau mit ihrem Hauptstern Spica. Noch komplett im östlichen Teil des Himmels befindet sich ein weiteres Frühlingssternbild; der Bootes (Bärenhüter) mit seinem hellen Hauptstern Arkturus. Diese drei Hauptsterne bilden zusammen das so genannte Frühlingsdreieck. Zwischen diesen Sternbildern befindet sich unter anderem das unscheinbare Sternbild Haar der Berenice. Hier und in den drei zuvor genannten Sternbildern tummeln sich unzählige Galaxien in den Tiefen des Weltalls. Der Große Bär durchläuft mit dem Großen Wagen momentan den Zenit seiner Jahresbahn. Viele weitere kleine und lichtschwache Sternbilder finden wir hier, wie den Drachen und die Giraffe, die wiederum überhäuft sind mit unzähligen und verschiedenen Galaxien. Wir schauen nämlich wieder auf einen Teil des Himmels, wo der Blick ungetrübt durch galaktische Staubwolken und Nebel unserer Milchstraße tief ins Weltall reicht und somit viele andere Welteninseln preisgibt. Es ist sozusagen die Galaxienzeit des Frühlings angebrochen. Am Osthorizont machen sich schon die ersten Vorboten des Sommers bemerkbar. Allen voran das große Sternbild Schlangenträger und das kleine Sternbild Leier mit ihrer hellen Wega.

 

Meteore

Dieser relativ lichtschwache Sternhimmel wird vom 19. April bis 28. Mai vom Sternschnuppenstrom der Eta-Aquariden verziert, der am 7. Mai mit einer ZHR von 28 Objekten pro Stunde sein Maximum haben wird. Die Teilchen dieses Stroms stammen vom Kometen Halley und werden bereits seit 2.000 Jahren beobachtet! Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 66,8 km/s sind sie sehr schnell unterwegs. Vom 26. Juni bis 30. Juni haben die Juni-Bootiden ihren Auftritt, deren Maximum am 28. Juni mit nur 5 Objekten pro Stunde sein wird. Allerdings kann es auch zu unerwarteten Ausbrüchen kommen, da dieser Strom eine variable Rate hat. 1998 stieg die stündliche Rate zum Beispiel auf 100 Objekte an! Die Teilchen stammen vom Kometen Pons-Winnecke und ihr Ausstrahlungspunkt liegt im nördlichen Teil des Sternbildes Bootes. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 20,2 km/s sind diese Teilchen sehr langsam unterwegs.

 

Leuchtende Nachtwolken

Mit Beginn des Sommers am 21. Juni wird es in unseren Breiten nicht mehr richtig dunkel und die Sonne steht nur rund 13° unter dem nördlichen Horizont. Dadurch haben wir von Ende Mai bis Ende Juli wieder die Chance, Leuchtende Nachtwolken beobachten zu können! Dies sind Anhäufungen von Eiskristallen in Höhen zwischen 80 und 85 Kilometer, die von uns aus gesehen noch von der nicht weit unter dem Horizont stehenden Sonne angeleuchtet werden und so über dem nördlichen Horizont erscheinen können. Eine interessante und sehenswerte Abwechslung zum dann weniger gut beobachtbaren Sternhimmel.

 

Planeten

Venus baut ihre Abendsichtbarkeit am Westhimmel weiter aus und ist am 17. Juni zu 75% beleuchtet. Ihre Helligkeit steigt im zweiten Quartal von anfangs -3m9 auf -4m1 am Ende des Quartals. Ihr scheinbarer Durchmesser wächst dabei von 12'' auf 16''.

Der rote Planet Mars setzt Ende Juni zu seiner Oppositionsschleife an und ist dann zu 97% beleuchtet. Anfang Juni leuchtet er noch mit -1m2 und steigert bis Ende Juni seine Helligkeit auf -2m1 – macht also dem gleichzeitig sichtbaren Planeten Jupiter Konkurrenz! Dabei wächst sein scheinbarer Durchmesser auf 21''. Nun sind also wieder viele interessante Oberflächendetails bei einer Vergrößerung von 100x sichtbar!

Am 9. Mai kommt dann der Gasplanet Jupiter im Sternbild Waage mit einer Helligkeit von -2m5 und einem Äquatordurchmesser von 44,8'' in  Opposition zur Sonne. Bei einem Poldurchmesser von nur 41,9'' kann man bereits in einem Vierzöller die auf Grund seiner schnellen Rotation bedingte Abplattung des Planeten erkennen. Am 10. Mai steht Jupiter mit einer Entfernung von 658 Millionen Kilometern in Erdnähe. Funksignale brauchen dann rund 37 Minuten für die Strecke!

Der Ringplanet Saturn wird am 27. Juni mit einer Helligkeit von 0m0 im Sternbild Schütze in Opposition stehen. Auch seine Planetenkugel ist bedingt durch eine schnelle Rotation stark abgeplattet. Sein scheinbarer Äquatordurchmesser misst 18,4'' und sein scheinbarer Poldurchmesser rund 16,8''. Sein Ring hat in diesem Jahr mit 26° noch fast seine maximale Öffnung, wodurch es besonders gut möglich ist auch mit kleinem Instrumentarium die CASSINI’sche Teilung im Ring zu sehen! Der scheinbare Ringlängsdurchmesser beträgt rund 41,7'' und der Querdurchmesser 18,3''. Allein die ungünstige Position im Sternbild Schütze wird es verhindern, dass man den Ringplaneten auf Grund von schlechtem Seeing in unseren Breiten öfter beobachten kann.

 

Kleinplaneten

Innerhalb von fünf Tagen kommen im Juni drei Planetoiden, die heller als 10m0 sind, in Opposition zur Sonne! Als Erste wird (29) Amphitrite am 15. Juni im Skorpion diese Stellung erreichen. Dieser 190 Kilometer große Kleinplanet wurde am 1. März 1854 von Albert MARTH in London entdeckt. Einen Tag später, am 16. Juni, wird die 190 Kilometer große (9) Metis im Sternbild Schlangenträger in Opposition stehen. Andrew GRAHAM entdeckte diesen Kleinplaneten am 25. April 1848 in Markree Castle (Irland). (4) Vesta kommt dann am 19. Juni im Sternbild Schütze in Opposition. Dieser 530 Kilometer große Brocken wurde am 29. März 1807 von Wilhelm OLBERS in Bremen entdeckt. Alle wichtigen Daten zur Oppositionszeit der beschriebenen Kleinplaneten habe ich in Tabelle 1 zusammengefasst. Anhand der Deklinationswerte kann man sehen, dass gute Bedingungen zur Beobachtung der Kleinplaneten in Süddeutschland oder Südeuropa zu finden sind!

 

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(4) Vesta 15.06.
20.06.
25.06.
17h57m
17h51m
17h46m
-19°31'
-19°52'
-20°13'
5m4
5m3
5m4
Sgr
(9) Metis 10.06.
15.06.
20.06.
17h46m
17h40m
17h35m
-25°45'
-25°53'
-26°00'
9m8
9m7
9m8
Oph
(29) Amphitrite 10.06.
15.06.
20.06.
17h38m
17h32m
17h27m
-33°00'
-32°58'
-32°54'
9m6
9m5
9m5
Sco
(51) Nemausa 20.02.
25.02.
01.03.
10h31m
10h27m
10h24m
+02°23'
+03°15'
+03°58'
10m0
9m8
9m9
Sex

 

Deep-Sky-Objekte

Für unsere Deep-Sky-Tour benötigen wir wieder einen dunklen, mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich wieder in Tabelle 2 zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

4. bis 18. April
3. bis 18. Mai
2. bis 18. Juni

bild 03Die Übersichtskarte in Abb. 1 zeigt die Frühlingssternbilder und deutet das Himmelsareal im Großen Bären an, in dem die beschriebenen Objekte verteilt sind.

Zur Beobachtung der Deep-Sky-Objekte benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

Die heutige Deep-Sky-Tour führt uns ins Sternbild Großer Bär. Für das erste Objekt schieben wir unser Teleskop zunächst ausgehend vom Stern ' UMa – die „Nase“ des Bären – 3,8° in nordöstliche Richtung und kommen zu den Sternen π1 und π2. Weitere 4,2° weiter geht es in nordöstliche Richtung bis zu den Sternen σ1 und σ2. Von hier sind es nur noch 4,7° weiter in nordöstliche Richtung und wir kommen bei der Galaxie M81 an. Diese kann man bereits in einem 10x50 Feldstecher ohne Mühe als ovales und diffuses Scheibchen erkennen! Sie wurde am 31. Dezember 1774 von Johann Elert BODE entdeckt und ist 11,8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Mit einem Durchmesser von 95.000 Lichtjahren und rund 200 Milliarden Sternen ist sie nur unwesentlich kleiner als unsere Heimatgalaxie die Milchstraße. In ihrem Zentrum befindet sich ein Schwarzes Loch mit 70 Millionen Sonnenmassen! Mit meinem 2,5-Zöller war diese Galaxie bei V=26x ein großer, ovaler Fleck und mit der Galaxie M82 in einem Gesichtsfeld. Den schönsten Anblick hatte man aber bei einer Vergrößerung von 46x. In meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 83xWw am schönsten zu sehen. Nur 39' nördlich von M81 finden wir auch die Galaxie M82. Sie wurde ebenfalls am 31. Dezember 1774 von BODE entdeckt und ist 11,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie ist mit einem Durchmesser von 40.000 Lichtjahren deutlich kleiner als M81 und bildet mit dieser ein physikalisches Paar und den Kern der M81-Galaxiengruppe. Vor etwa 500 Millionen Jahren kam es zu einer nahen Begegnung der beiden Galaxien, wodurch es in M82 zu extrem verstärkter Sternbildung (Starbursts) gekommen ist und sie nun die hellste Galaxie im Radiobereich ist! Durch häufige Supernovae ist es außerdem zu starker Gasbewegung senkrecht zur Galaxienebene gekommen. Bei V=46x war in meinem 2,5-Zöller bereits andeutungsweise eine Dunkelzone im Kernbereich zu sehen! In meinem Achtzöller sind bei einer Vergrößerung von  08xWw mehrere Dunkelzonen und viele andere Strukturen sichtbar.

Die Feuerradgalaxie M101 finden wir bereits mit einem 11x80 Feldstecher indem wir mit den beiden Deichselsternen η UMa und ζ UMa ein gleichschenkliges Dreieck in nordöstliche Richtung bilden, mit einer Schenkellänge von 5,6°. Hier finden wir dann einen relativ großen, runden und diffusen Fleck. Diese face-on Galaxie wurde am 27. März 1781 von Pierre MÉCHAIN entdeckt und ist 22 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Mit einem Durchmesser von 170.000 Lichtjahren ist sie deutlich größer als unsere Milchstraße. Mit meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 31xWw ein verwaschener, großer und runder Fleck mit einer langsamen Helligkeitszunahme zum Kern hin. Im 16-Zöller sind bei V=106xWw diverse Sternhaufen sichtbar. Östlich vom Galaxienzentrum sind die H II-Regionen NGC 5471, NGC 5447 und NGC 5450 zu sehen, die zu einem Objekt verschmelzen. Außerdem sind die beiden Nebelregionen NGC 5461 und NGC 5262 sichtbar. Alle Nebelregionen sind hell, diffus, klein und etwas länglich. Der Kern von M101 ist als diffuse und helle Region sichtbar, und deutlich ist bei dieser Vergrößerung ein Spiralarm zu erkennen!

Unser nächstes Objekt finden wir, indem wir unser Teleskop 39' vom Stern γ UMa – dem linken unteren Kastenstern – in südöstliche Richtung schieben. Dort finden wir die Galaxie M109, die am 12. März 1781 von Pierre MÉCHAIN entdeckt wurde und 15,4 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Sie ist die hellste der M109-Galaxiengruppe, die 50 Mitglieder zählt. In meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 57xWw als eine relativ lichtschwache, ovale Galaxie mit hellem, sternförmigem Kern zu sehen.

Die Galaxie NGC 3079 finden wir mit einem Achtzöller, indem wir das Teleskop zunächst vom Stern β UMa – dem rechten unteren Kastenstern – 4,3°westlich bis zum Stern 36 UMa schwenken. Von dort geht es nochmals 4° westlich. NGC 3079 wurde am 1. April 1790 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist 56,4 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Es handelt sich bei ihr ebenfalls um eine Starburstgalaxie, bei der durch heftige Sternbildung heiße Gase 3.000 bis 3.500 Lichtjahre aus dem Zentrum der Galaxie geschleudert werden! In meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 134xWw eine relativ helle edge-on Galaxie, die ziemlich lang ist und einen ovalen, hellen Kern hat.

Das Besondere in dieser Himmelsregion ist der „Doppelquasar“ QSO 0957+561 A/B, der nur 10' nördlich von NGC 3079 steht! Im 17,5-Zöller ist er bei V=298xWw ein sehr schwacher, länglicher „Punkt“, der indirekt nur blickweise zu sehen ist. Es handelt sich bei diesem Quasar um den supermassiven Kern einer Galaxie in einer Entfernung von 8,7 Milliarden Lichtjahren mit einem supermassiven Schwarzen Loch! Zwischen diesem Quasar und uns steht auf halben Weg eine Galaxie, die als Gravitationslinse fungiert und so den Quasar hinter ihr doppelt wirken lässt. Ein Doppelbild eines Quasars mit einem scheinbaren Abstand von 6''. Es handelt sich um die erste entdeckte, von Albert EINSTEIN vorhergesagte Gravitationslinse, die 1979 vom Team um Dennis WALSH, Robert CARSWELL und Ray WEYMAN mit dem 2,1m Teleskop am Kitt Peak National Observatorium in Arizona aufgefunden wurde.

Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Großen Bären

Objekt α δ Dimension Mag. Art Konst.
M81 09h56m +69°04'' 24 x 13' 6m9 G UMa
M82 09h56m +69°41' 12 x 5,6' 8m4 G UMa
M101 14h03m +54°21' 26 x 26' 7m9 G UMa
M109 11h58m +53°23' 7,6 x 4,3' 9m8 G UMa
NGC 3079 10h02m +55°41' 8 x 1,5' 10m9 G UMa
QSO 0957+561 A/B 10h01m +55°54' 6'' 16m4 - 17m0 Quasar UMa

 

Aufsuchkarte für die Galaxien M81 und M82 beim „Kopf“ des Großen Bären, Ausgangsstern  UMa („Nasenspitze“).

bild 02

 

Fotografie der Galaxie M81, Aufnahmedaten: 4 x 3min bei 800 ASA, 16-Zöller fokal; 09.05.2011.

bild 05

 

Fotografie der Galaxie M82 mit Supernova von 2014, Aufnahmedaten: 6 x 3,5min bei ISO 800, 16-Zöller fokal; 02.02.2014.bild 06

 

Aufsuchkarte für die Galaxie M101 im Großen Bären neben dem „Bärenschwanz“ bzw. der „Wagendeichsel“.bild 07

 

Fotografie der Galaxie M101 im Großen Bären, Aufnahmedaten: 3 x 4min bei ISO 800, 8-Zöller fokal; 05.05.2007.bild 08

 

Aufsuchkarte für die Galaxie M109 im Großen Bären dicht neben dem linken unteren Kastenstern  UMa.

bild 09

 

Fotografie der Galaxie M109, Aufnahmedaten: 3 x 5min bei 800 ASA, 16-Zöller fokal ohne Filter; 17./18.04.2009.

bild 10

 

Aufsuchkarten für die Galaxie NGC 3079 (links) und von dort weiter zum Doppelquasar QSO 0957 (rechts).

bild 09

 

Fotografie der Galaxie NGC 3079 mit dem knapp nördlich gelegenen Doppelquasar QSO 0957 (Markierung).
Aufnahmedaten: 5 x 5min bei ISO 1600 plus CLS-Filter, 16-Zöller fokal; 19./20.04.2015. Norden ist links.

bild 10

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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