Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das vierte Himmelsquartal 2020
Mars in günstiger Opposition, Jupiter & Saturn in selten enger Konjunktion

 

Sternenhimmel

Nun beginnen wieder die langen und dunklen Nächte, in denen man ausgiebig in die Tiefen des Alls schauen kann. Nur wenig galaktischer Staub behindert unseren Blick an unserer Milchstraße vorbei zu den vielen Galaxien des Herbsthimmels. Hoch im Süden sehen wir die Sternbilder Pegasus und Andromeda mit der auffälligen Nachbargalaxie M 31 und ihren beiden Begleitern M 32 und M 110. Südlich von ihnen erkennen wir die Tierkreiszeichen Fische und Wassermann. Gefolgt vom Sternbild Walfisch, welches etwas südlich der Ekliptik steht und heute unser Ziel für unsere Deep-Sky-Tour sein soll. Dazu aber später mehr. Sämtliche Sommersternbilder sind bereits in den Westteil des Himmels gewandert. Im Ostteil erkennen wir schon die ersten Vorboten der kommenden Jahreszeit. Allen voran der Stier mit seinem roten Auge Aldebaran. Tief im Süden kratzt sozusagen der Hauptstern der südlichen Fische – Formalhaut – über die Baumwipfel. Direkt im Zenit sehen wir wieder das „Werder-W“ Cassiopeia direkt in der Milchstraße. Seinen tiefsten Punkt im Norden hat der Große Wagen mittlerweile auch überschritten und beginnt wieder seinen Aufstieg zum Zenit.

 

Meteore

Gleich am Anfang des Quartals – vom 2. bis 16. Oktober – liegt der Aktivitätszeitraum der Draconiden, die am 8. Oktober mit einer ZHR von 20 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 23,7 km/s handelt es sich um Sternschnuppen, die ziemlich langsam über den Himmel ziehen. Der Ursprungskörper dieser Meteore ist der Komet 21P/Giacobini-Zinner. Vom 2. Oktober bis 7. November kann man dann die Orioniden beobachten, die am 21. Oktober mit einer ZHR von 23 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Bei einer Eintrittsgeschwindigkeit von 67,1 km/s handelt es sich um sehr schnelle Objekte, die von losen Wolken des Halley’schen Kometen stammen. Vom 10. bis 23. November treten dann die unregelmäßigen Leoniden auf die Himmelsbühne. Sie werden mit einer ZHR von ungefähr 15 Objekten pro Stunde am 17. November ihr Maximum haben. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 71,5 km/s handelt es sich ebenfalls um sehr schnelle Sternschnuppen, die vom Kometen Tempel-Tuttle kommen. Die Geminiden werden am 13. Dezember ihr Maximum mit einer ZHR von 88 Objekten pro Stunde haben und vom 7. bis 17. Dezember zu beobachten sein. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 36,2 km/s handelt es sich bei ihnen um mittelschnelle Objekte. Ihr Ursprungskörper ist der Asteroid (3200) Phaeton und ihre Aktivität hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht, so dass sie teilweise schon die Fallrate der Perseiden übertreffen! Vom 17. bis 26. Dezember haben schließlich noch die Ursae Minoriden ihre Aktivität und haben am 22. Dezember mit einer ZHR von 12 Objekten pro Stunde ihr Maximum. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 34,8 km/s sind sie ebenfalls mittel-schnelle Objekte.

 

Planeten

Der rote Planet Mars kommt am 14. Oktober in den Fischen in eine günstige Opposition. Mit einer Helligkeit von -2m7 und einem scheinbaren Durchmesser von 23“ ist er dann ein auffälliges Objekt, welches sogar Jupiter an Helligkeit übertrifft! Bereits am 6. Oktober ist er mit 62,1 Millionen Kilometern in Erdnähe. Bis Ende Dezember wird seine Helligkeit allerdings wieder auf -0m3 zurückgehen und sein scheinbarer Durchmesser schrumpft im gleichen Zeitraum auf 10,5“. In diesem Jahr werden wir einen guten Blick auf seine Nordpolkappe haben und auf diverse weitere Oberflächenstrukturen, die wir bereits mit einem Vierzöller ab einer Vergrößerung von 150x bewundern können. Durch die höhere Deklination in den Fischen haben wir natürlich auch weniger mit schlechtem Seeing zu kämpfen!

Der grünliche Gasplanet Uranus erreicht seine Oppositionsstellung am 31. Oktober im Sternbild Widder mit einer Entfernung von 2,8 Milliarden Kilometer zu uns. Mit einer Helligkeit von 5m7 ist er an dunklen Beobachtungsplätzen bereits relativ einfach mit bloßem Auge zu sehen! Mit einem scheinbaren Durchmesser von nur 3,8“ sind mit Amateurteleskopen auf seiner Wolkenoberfläche keine Einzelheiten sichtbar. Allerdings kann man bereits mit einem 12-Zöller auf die Suche nach seinen vier helleren Monden Ariel, Umbriel, Titania und Oberon gehen, wenn sie ihren größten Abstand zum Planeten haben. Mit modernen Planetariumsprogrammen kann man sich auf diese Momente gut vorbereiten.

Vom 5. bis 15. November kann man den sonnennächsten Planeten Merkur am Morgenhimmel beobachten. Am Anfang seiner Sichtbarkeit leuchtet er mit 0m3 und am Ende mit -0m6. Sein scheinbarer Durchmesser wächst auf 7,2“. Seine Halbphase (Dichotomie) erreicht er am 8. November. Am 13. November ergibt sich eine sehr reizvolle Konstellation, wenn die Mondsichel zwischen Merkur und Venus stehen wird.

 

Konstellationen

Jupiter und Saturn standen bereits im dritten Himmelsquartal zu ihrer Opposition relativ nah beieinander. Der schnellere Jupiter wandert im vierten Himmelsquartal immer weiter auf Saturn zu und überholt ihn sozusagen am frühen Abend des 21. Dezember in nur 6 Bogenminuten Abstand südlich! Selbst einen Tag vorher und einen Tag später beträgt der Abstand nur 9 Bogenminuten! Ein sehr reizvoller Anblick, da man den Eindruck eines sehr hellen Himmelsobjektes hat und man beide Planeten sogar bei höherer Vergrößerung in einem Gesichtsfeld sehen kann! Man nimmt an, dass solch eine Konstellation auch der „Stern von Bethlehem“ gewesen sein könnte. An folgenden Abenden gesellt sich dann noch der Mond zu den beiden Planeten: 22. Oktober, 19. November und 17. Dezember.

 

Planetoiden

Im vierten Himmelsquartal können wir sechs Kleinplaneten beobachten, die während ihrer Opposition mindestens eine Helligkeit von 10m0 erreichen. (11) Parthenope wird diese Position am 23. Oktober in den Fischen erreichen. Sie wurde am 11. Mai 1850 von DE GASPARIS entdeckt und hat einen Durchmesser von 140 Kilometern. Sie wurde nach einer der Sirenen der griechischen Mythologie benannt. Nur drei Tage später am 26. Oktober erreicht (471) Papagena ihre Opposition im Sternbild Walfisch. Sie hat einen Durchmesser von 150 Kilometern und wurde am 7. Juni 1901 von Max WOLF entdeckt. Sie wurde nach einer Figur aus der Zauberflöte von MOZART benannt. (8) Flora kommt am 1. November ebenfalls im Sternbild Walfisch in Opposition und hat einen Durchmesser von 150 Kilometern. Sie wurde am 18. Oktober 1847 von HIND entdeckt und wurde nach der Göttin der Blüte und des Frühlings benannt. Am 7. Dezember wird (16) Psyche im Sternbild Stier in Opposition stehen und hat einen Durchmesser von 230 Kilometern. Sie wurde am 17. April 1852 von de GASPARIS entdeckt und wurde nach der Gattin des griechischen Gottes Eros benannt. (79) Eurynome erreicht ihre Oppositionsstellung am 11.  Dezember im Orion und hat einen Durchmesser von nur 63 Kilometern. Sie wurde am 14. September 1863 von WATSON entdeckt und wurde nach der Tochter des Uranus und der Gaia benannt. Als letzte erreicht (39) Laetitia am 21. Dezember ihre Oppositionsstellung
ebenfalls im Orion. Sie hat einen Durchmesser von 180 Kilometerm und wurde am 8. Februar 1856 von CHACORNAC entdeckt. Benannt wurde sie nach der Göttin der Fruchtbarkeit und des Überflusses. In Tabelle 1 habe ich alle wichtigen Daten der Kleinplaneten zur Oppositionszeit zusammengestellt.

 

 

Tabelle 1: Daten der im Text beschriebenen Planetoiden

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(8) Flora 25.10.
30.10.
05.11.
02h49m
02h44m
02h38m
+03°35´
+03°17´
+03°01´
8m1
8m1
8m1
Cet
(11) Parthenope 15.10.
20.10.
25.10.
02h12m
02h08m
02h03m
+04°53´
+04°25´
+03°59´
9m5
9m4
9m4
Cet
Cet
Psc
(16) Psyche 01.12.
05.12.
10.12.
05h07m
05h03m
04h59m
+18°07´
+18°03´
+17°58´
9m6
9m5
9m5
Tau
(39) Laetitia 15.12.
20.12.
25.12.
06h06m
06h01m
05h56m
+08°20´
+08°26´
+08°35´
9m9
9m9
9m9
Ori
(79) Eurynome 05.12.
10.12.
15.12.
05h25m
05h20m
05h15m
+16°15´
+15°59´
+15°45´
10m1
10m0
10m0
Ori
(471) Papagena 20.10.
25.10.
30.10.
02h37m
02h33m
02h28m
-07°11´
-07°10´
-07°03´
9m5
9m5
9m5
Cet

 

Deep-Sky-Objekte

Zur Beobachtung der Objekte unserer heutigen Deep-Sky-Tour benötigen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

bild 00

Unsere heutige Deep-Sky-Tour führt uns wie bereits erwähnt in das Sternbild Walfisch. Wir starten hierbei am Stern δ-Cet und schieben unseren Vierzöller nur 53´ in südöstliche Richtung. Dort finden wir bei einer Vergrößerung von 45x die helle Galaxie M 77, die am
29. Oktober 1780 von Pierre MÉCHAIN entdeckt wurde und etwa 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Sie ist bei V=45x dann als kleiner, runder Fleck mit einer stark ansteigenden Helligkeit zum Kern hin sichtbar. Diese Balkenspirale ist auch als Radiogalaxie Cetus A bekannt und beherbergt einen aktiven Galaxienkern. Sie ist die nächste und am besten untersuchte Seyfert-Galaxie! Schwenken wir einen 16-Zöller nur 34´ von δ-Cet in ostnordöstliche Richtung, kommen wir zur Edge-On Galaxie NGC 1055, die am 18. Dezember 1783 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde. Sie ist ebenfalls rund 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und ist gravitativ an M 77 gebunden. Diese beiden Galaxien sind nur 442.000 Lichtjahre voneinander entfernt! Ihr Durchmesser beträgt 100.000 Lichtjahre, womit sie so groß ist wie unsere Milchstraße. Bei einer Vergrößerung von 227xWw ist sie in meinem 16-Zöller eine große, diffuse Galaxie, die oval ist und eine geringe Helligkeitszunahme zum Kern hin hat. Nahezu im Zentrum des Dreiecks, welches aus den Sternen β-Cet, η-Cet und ι-Cet gebildet wird, finden wir mit einem 8-Zöller und einer Vergrößerung von 40xWw+OIII(Filter) den großen Planetarischen Nebel NGC 246. Er wurde am 27. November 1785 von Friedrich Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist rund 2.000 Lichtjahre von uns entfernt. Sein Zentralstern befindet sich in seinem letzten Lebensabschnitt und bildet sich nun zu einem Weißen Zwerg. Im Englischen wird dieser Nebel, wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Schädel, auch „Skull-Nebel“ genannt. Im Achtzöller ist er bei V=40xWw+OIII(Filter) ein relativ großer und runder Nebel, der ziemlich hell ist. Man kann einige Strukturen in ihm erkennen und andeutungsweise seinen Zentralstern sehen! Schwenkt man einen 16-Zöller 6,9° nördlich von Stern Theta-Cet, kommt man zur Galaxiengruppe um NGC 541, die wiederum Teil des Galaxienhaufens Abell 194 ist. NGC 541 wurde am 30. Oktober 1864 von Heinrich Louis D´ARREST entdeckt und ist 245 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie hat einen Durchmesser von 130.000 Lichtjahren und ist somit größer als unsere Heimatgalaxie! Sie ist eine Radiogalaxie, die die Bezeichnung 3C 40A trägt. In ihrem Kern wurde ein supermassives Schwarzes Loch entdeckt. Im 16-Zöller ist sie bei V=230xWw als eine runde, helle und diffuse Galaxie zu sehen, die am besten indirekt zu sehen ist. In ihrer unmittelbaren Umgebung finden wir mit dem 16-Zöller noch drei weitere Galaxien! Zum einen NGC 545, die am 1. Oktober 1785 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde und im 16-Zöller als eine kleine, runde und diffuse Galaxie mit einem hellen Kern erkennbar ist. Dann NGC 547, die ebenfalls am 1. Oktober 1785 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde und einen  Durchmesser von 135.000 Lichtjahren hat. Sie ist im 16-Zöller als eine kleine, runde und diffuse Galaxie mit einem hellen Kern zu sehen, die bei V=230xWw heller ist als NGC 545. Und NGC 535, die am 31. Oktober 1864 von Heinrich Louis D´ARREST entdeckt wurde und
einen Durchmesser von 65.000 Lichtjahren hat. Mit einer Entfernung von 222 Millionen Lichtjahren steht sie von uns aus gesehen etwas vor den anderen Galaxien. Im 16-Zöller ist sie bei V=230xWw eine kleine, ovale und diffuse Galaxie, die schwach ist und am besten indirekt zu sehen ist. Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

07. bis 20. Oktober
07. bis 19. November
06. bis 19. Dezember

 

Tabelle 3: Daten der im Text beschriebenen Deep-Sky-Objekte

Objekt RA Dekl. Dimension Mag. Art
M 77
NGC 246
NGC 535
NGC 541
NGC 545
NGC 547
NGC 1055
02h44m
00h48m
01h26m
01h26m
01h27m
01h27m
02h42m
+00°04´
-11°45´
-01°24´
-01°16´
-01°13´
-01°14´
+00°32´
7,3 x 6,3´
4 x 3,5´
1 x 0,3´
1,8 x 1,7´
2,6 x 1,6´
1,9 x 1,8´
7,6 x 3´
8m9
8m5v
14m0
12m1
12m2
12m2
10m6
G
PN
G
G
G
G
G

Aufsuchkarte der Galaxie M77 (Übersicht)

bild 01

 

Aufsuchkarte der Galaxie M77 (Detail)

bild 02

 

Foto der Galaxie M77

bild 05

 

Foto der Galaxie NGC 1055

bild 06 

 

Aufsuchkarte des Planetarischen Nebels NGC 246

bild 07

 

Zeichnung von NGC 246

bild 07

 

Foto des Planetarischen Nebels NGC 246

bild 06

 

Foto der Galaxie NGC545

bild 10

 

Aufsuchkarte des Galaxienhaufens Abell 194 (Übersicht)

bild 11

 

Aufsuchkarte des Galaxienhaufens Abell 194 (Übersicht)

bild 10

 

Konjunktion Saturn/Jupiter (Übersicht)

bild 11

 

Konjunktion Saturn/Jupiter (Detail)

bild 12

 

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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