Relativistische Raumfahrt

Kategorie
Hauptvorträge
Datum
2019-04-09 19:30
Veranstaltungsort
Hochschule Bremen, Hörsaal B-120 - Werderstraße 73, 28199 Bremen, Deutschland

 

Heutige bemannte Raumschiffe sind im Vergleich mit den utopischen Visionen der 1960er-Jahren enttäuschend: Kaum größer als ein Bus, momentan gefesselt an niedrige Erdumlaufbahnen – eine neue bemannte Mission zum Mond würde revolutionär erscheinen. Von interplanetaren, erst recht interstellaren Flügen scheinen wir extrem weit entfernt zu sein.

Woran liegt das? Hier zeigt sich eine prinzipielle Grenze der chemischen Rakete: Schubstark, aber mit niedriger Endgeschwindigkeit, ist sie für ehrgeizigere Weltraumziele ungeeignet. Die Ionenrakete dagegen vermag mit vergleichsweise hohen Endgeschwindigkeiten zu trumpfen, doch ihre Schubkraft ist außerordentlich gering. Zur Realisierung wirklich aufwändiger Unternehmungen im All sind Triebwerke erforderlich, die beide Vorteile kombinieren. Dies ist eine abenteuerliche Idee, da Motorleistungen dem Produkt von Ausstoßgeschwindigkeit und Schubkraft proportional sind, so dass die Maximierung beider Parameter enorme Leistungsabgaben bedingt. Mit anderen Worten: Es ist schwierig, einen solchen Antrieb einzuschalten, ohne dass die Rakete sofort verdampft. Niemand vermag der Thermodynamik zu entkommen.

Doch Wissenschaftler haben in der Tat bereits Lösungen für dieses Problem ausgearbeitet, die den bekannten physikalischen Gesetzen entsprechen. Vor allem der nukleare Pulsantrieb (Orion-Projekt) und davon abgeleitete Varianten (e.g. Laserfusion) haben beträchtliches Potential, bis hin zu relativistischen Endgeschwindigkeiten.

Hierbei gibt es allerlei populäre Missverständnisse, die auf verkürzten Darstellungen der Relativitätstheorie beruhen. Der Grund, weshalb Raketen nicht die Lichtgrenze überschreiten können, ist nicht, dass ihre Masse dabei unendlich wird! Mit dieser und ähnlichen Fehlauffassungen soll im Vortrag aufgeräumt werden.

Ist es überhaupt sinnvoll, jetzt bereits über derartig science fiction-hafte Ziele nachzudenken? Sollten irdische Probleme (Krieg, Armut...) nicht Vorrang haben? Im Vortrag wird eine Philosophie (genannt Ektropismus) präsentiert, welche auf den Arbeiten russischer Autoren (Fjodorow, Wernadski) aufbaut. Der Referent zeigt im Rahmen dieser, dass sich die Frage so nicht stellt – vielmehr bilden irdische und extraterrestrische Perspektiven eine Einheit: Raumfahrt hilft den Menschen auf der Erde, ohne die die Raumfahrt ihrerseits sinnlos wäre. Auch aus seinen Roman „Curiepolis“ wird der eine oder andere Auszug zu hören sein.

 

HerrmannDipl.-Phys. Fabian Herrmann

Institut für Festkörper-Kernphysik, Berlin

 
 

Powered by iCagenda

Veranstaltungen

Melden Sie ihre Feuerkugelsichtung

Haben Sie etwas Helles und Schnelles gesehen, das wie eine große Sternschnuppe aussah?

Berichten Sie uns davon: Es könnte eine Feuerkugel gewesen sein!

Feuerkugelsichtung melden

Öffnungszeiten

Geschäftszeit:
In der Regel sind wir mittwochs zwischen 18:00 und 20:00 Uhr persönlich für Sie da.

Sternwarte:
In der Regel mittwochs und freitags ab 19:00 während der Vortragssaison (Oktober bis April)

Olbers-Gesellschaft Bremen e.V.

c/o Olbers-Gesellschaft eingetragener Verein
Hochschule Bremen - Fachbereich Betriebswirtschaft und Nautik
Werderstraße 73
28199 Bremen

Telefon: (0421) 167 677 06
E-Mail: olbers@olbers-gesellschaft.de

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok