Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das vierte Himmelsquartal 2017
Uranus in Opposition / Mond bedeckt zweimal Aldebaran

Sternenhimmel

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende, was wir auch am Sternhimmel erkennen können. Hoch im Zenit sehen wir jetzt wieder ein Wölkchen, welches an dunklen Standorten mit dem bloßen Auge relativ hell zu sehen ist. Es ist die 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedagalaxie M31 im Sternbild Andromeda. In westlicher Richtung schließt sich ihr unmittelbar der Pegasus an. Südlich der Andromeda findet man die kleinen Sternbilder Dreieck und Widder. Hoch im Meridian finden wir auch das unscheinbare Sternbild der Fische. Noch südlich der Fische und dem Pegasus kann man noch die lichtschwachen Sternbilder Walfisch und Wassermann sehen. Tief im Osten sind schon einige Wintersternbilder aufgegangen, die uns die kommende Jahreszeit verkünden. Zwischen dem Stern Kapella
im Fuhrmann und dem Andromedanebel findet man noch ein weiteres Wölkchen, welches bei näherer Betrachtung im Feldstecher bereits in Einzelsterne
aufgelöst werden kann. Es ist der berühmte Doppelsternhaufen c+h im Perseus. Das Sommerdreieck ist am frühen Abend bereits weit in den Westteil des
Himmels gewandert. Der Große Wagen hat nun seine tiefste Stellung im Jahreslauf erreicht und beginnt bald wieder seinen langen Aufstieg zum Zenit. Nah über dem Nordhorizont können wir ihn finden.

 

Meteore

Vom 10. bis 23. November wird dieser doch etwas lichtschwache Herbsthimmel von den Sternschnuppen der Leoniden verziert, die ihr Maximum am 17. November mit einer ZHR von 15 Objekten pro Stunde haben werden. Ursprungskörper dieser Teilchen ist der Komet 55P/TEMPLE-TUTTLE, der eine Umlaufzeit von 33 Jahren um die Sonne hat. Bereits vom 2. bis 16.10. werden die Draconiden über den Himmel sausen. Mit 23,7 km/s sind sie allerdings recht langsame Objekte, die am 8. Oktober mit einer ZHR von 20 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Ursprungskomet dieser Teilchen ist 21P/GIACOBINI-ZINNER. Vom 7. bis 17.
Dezember werden schließlich die Geminiden ihr „Unwesen“ an diesem Sternhimmel treiben. Sie werden morgens am 14. Dezember ihr Maximum mit einer ZHR von 88 Objekten pro Stunde haben. Ihren Ursprung haben diese Meteore im Planetoiden (3200) Phaeton – einem erloschenen Kometen – der sich in Sonnennähe bis auf 750° C aufheizt! Mit 36,2 km/s handelt es sich um mittelschnelle Objekte.

 

Sternbedeckungen durch den Mond

Am Abend des 5. November beginnt der Mond Sterne des Sternhaufens der Hyaden zu bedecken. Im Laufe der Nacht zum 6. November dann auch den Hauptstern des Stiers Aldebaran! In einem schmalen Streifen südlich von 49,8° nördlicher Breite und 10° östlicher Länge wird der Stern NSV 01627 streifend bedeckt. Südlich von 47,6° nördlicher Breite und 10° östlicher Länge ist auch die Bedeckung von Aldebaran streifend! Im Folgenden habe ich die Bedeckungszeiten der vier hellen Sterne in Tabelle 1 zusammengestellt.

 

Tabelle 1: Zeiten der Hyadenbedeckung vom 5./6.11.2017

Eintritt
MEZ
Austritt
MEZ
Stern Mag.
19:53
23:51
01:18
03:58
20:45
01:01
streifend
04:34
Hyadum
75 Tau
NSV 01627
Aldebaran
3m6
5m0
4m8
0m9

 

Morgens am 31. Dezember wird Aldebaran dann nochmals vom Mond bedeckt! Dies geschieht in der Zeit von 02:24 bis 03:07 MEZ. Nur noch am 23. Februar 2018 wird das noch einmal zu beobachten sein, und dann für 15 Jahre nicht mehr! Noch mehr ein Grund, sich diese beiden Ereignisse nicht entgehen zu lassen!

 

Planeten

Unser innerer Nachbar Venus kann noch bis Anfang Dezember am Morgenhimmel beobachtet werden. Die Beobachtungszeit des -3m9 hellen, voll beleuchteten Planeten verkürzt sich allerdings drastisch. Am 13. November steht sie mit einem scheinbaren Durchmesser von 10¢¢ nur 17¢ nördlich vom Riesenplaneten Jupiter. Bestimmt ein schönes Fotomotiv!

Der Gasplanet Uranus wird am 19. Oktober in den Fischen in Opposition stehen. Dieser 5m7 helle Planet, den man an dunklen Beobachtungsplätzen bereits mit dem bloßen Auge auffinden kann, ist an diesem Tag 2,83 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Der Äquator dieses grünlichen Planeten steht fast senkrecht zu seiner Bahnebene und der scheinbare Durchmesser beträgt zurzeit 3,7¢¢.

 

Kleinplaneten

Sechs Kleinplaneten können wir im vierten Quartal mit mindestens 10m0 Helligkeit in Opposition beobachten. Als erstes wird (704) Interamnia am 1. Oktober im Pegasus in Opposition stehen. Dieser 310 Kilometer große Brocken wurde am 2. Oktober 1910 von CERULLI in Teramo entdeckt. (2) Pallas wurde am 28. März 1802 von OLBERS in Bremen entdeckt und hat einen Durchmesser von 550 Kilometern. Sie wird am 29. Oktober im Sternbild Chemischer Ofen (Fornax) in Opposition zur Sonne stehen. Am 30. Oktober wird die 200 Kilometer große (7) Iris im Sternbild Widder in Opposition stehen. Sie wurde am 13. August 1847 von HIND in London entdeckt. (44) Nysa hat einen Durchmesser von 71 Kilometer und wurde am 27. Mai 1857 von GOLDSCHMIDT in Paris entdeckt. Sie wird am 3. November im Walfisch in Opposition stehen. Am 9. Dezember 1892 wurde (349) Dembowska von CHARLOIS in Nizza entdeckt. Sie hat einen Durchmesser von 140 Kilometer und steht am 1. Dezember in Opposition. Als Letzte erreicht (20) Massalia am 17. Dezember im Sternbild Stier diese Position. Sie wurde am 19. September 1852 von DE GASPARIS in Neapel entdeckt und hat einen Durchmesser von 140 Kilometern. In Tabelle 2 habe ich die wichtigen Daten zur Beobachtung der beschriebenen Planetoiden zusammengestellt.

 

Tabelle 2: Daten der beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(2) Pallas 25.10.
30.10.
05.11.
03h09m
03h05m
03h00m
-23°10¢
-24°23¢
-25°40¢
8m2
8m2
8m2
Eri
For
For
(7) Iris 25.10.
30.10.
05.11.
02h09m
02h05m
02h00m
+21°57¢
+21°19¢
+20°27¢
6m9
6m9
7m0
Ari
(20) Massalia 10.12.
15.12.
20.12.
05h49m
05h44m
05h38m
+22°15¢
+22°13¢
+22°10¢
8m6
8m4
8m5
Tau
(44) Nysa 01.11.
05.11.
10.11.
02h43m
02h39m
02h34m
+08°57¢
+08°36¢
+08°17¢
9m6
9m6
9m6
Cet
(349) Dembowska 25.11.
01.12.
05.12.
04h31m
04h25m
04h21m
+29°27¢
+29°29¢
+29°30¢
9m6
9m6
9m6
Tau
(704) Interamnia 25.09.
01.10.
05.10.
23h48m
23h43m
23h40m
+29°01¢
+28°32¢
+28°07¢
9m9
9m9
9m9
Peg

 

Deep-Sky-Objekte

Für unsere Deep-Sky-Tour in das Sternbild Andromeda (Andromeda, And) brauchen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen
Sternhimmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 3 zusammengestellt. Die nebenstehende Karte (Abb. 1) zeigt die Himmelsregion im Überblick.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

10. bis 26. Oktober
9. bis 24. November
7. bis 23. Dezember

bild 03Unser erstes Ziel des heutigen Beobachtungsabends ist der Stern Alamak - γ Andromedae. Dies ist der östlichste Stern der Andromeda-Kette. Er ist 355 Lichtjahre von uns entfernt und seine Doppelsternnatur wurde 1778 von Johann Tobias MAYER entdeckt. Derzeit ist er mit 9,6¢¢ Abstand auch mit kleinen Instrumenten zu trennen. Mit meinem 2,5- Zöller war er bei einer Vergrößerung von 75x sehr gut getrennt sichtbar. Der Hauptstern dieses Systems γ1 ist ein roter Riese, der 80-mal größer und 2000-mal leuchtkräftiger als unsere Sonne ist. Die kleinere Komponente dieses Systems γ2 ist ein Dreifachsystem, wovon die Komponenten B und C zunächst von Wilhelm STRUVE 1842 spektroskopisch entdeckt wurden. 1959 wurde dann ebenfalls spektroskopisch festgestellt, dass auch die Komponente B doppelt ist mit einer Umlaufperiode von 2,67 Tagen. B und C umlaufen einander in 63,7 Jahren.

Das nächste Objekt finden wir nur 3,5° östlich von  Alamak. Es ist die Galaxie NGC 891, die am 6. Oktober 1784 von Friedrich Wilhelm HERSCHEL entdeckt wurde und rund 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Diese Galaxie, die wir genau von der Seite sehen, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren und ein stark ausgeprägtes Staubband, das wir bereits in einem8-Zöller erkennen können. Sie ist dann
bei V=40xWw eine ziemlich schwache, schmale und relativ große Galaxie ohne ausgeprägten Kern. Im 17,5-Zöller ist bei V=105xWw sehr gut der Staubstreifen quer durch die gesamte Galaxie zu sehen.

Rund 15,5° nördlich des Pegasus-Vierecks findet man eine relativ auffällige Konstellation, die aus den Andromeda-Sternen λ, κ, ι und ο gebildet wird. Nur 2° südlich der Verbindungslinie ι und ο finden wir die Galaxie NGC 7640. Sie ist ebenfalls rund 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und wurde am 17. Oktober 1786 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt. Da derzeit vermehrte Sternentstehung in ihr festgestellt wurde, nimmt man an, dass sie in der Vergangenheit mit einer kleineren Galaxie kollidiert ist. In meinem 8-Zöller ist sie bei einer Vergrößerung von 83xWw eine relativ große und helle Galaxie mit hellem Kern. Sie ist lang und relativ schmal.

Etwa 8,7° östlich des Sterns β And finden wir bereits mit einem 8-Zöller den Galaxienhaufen Abell 262. Er ist 200 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und umfasst mehr als 100 Galaxien. Dieser Galaxienhaufen gehört zum Pisces-Perseus-Superhaufen und gehört damit zu einer der größten Strukturen im Universum. Im Zentrum von Abell 262 finden wir die Galaxie NGC 708. Mit einem 17,5-Zöller waren bei einer Vergrößerung von 298xWw 14 Mitglieder sichtbar, wobei die vier Galaxien NGC 703, 704, 705 und 708 besonders auffällig waren und bereits im
Achtzöller sichtbar sind. Bis auf NGC 708 handelt es sich um relativ kleine Objekte, die hauptsächlich diffus sind.

Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte in den Jagdhunden

Objekt α δ Dimension Mag. Art Konst.
Alamak 02h04m +42°20¢ 9,6¢¢ 2m3 / 4m8 DS And
NGC 891 02h23m +42°21¢ 13 x 2,8¢ 9m9 G And
NGC 7640 23h22m +40°51¢ 10 x 2,2¢ 11m3 G And
Abell 262 01h53m +36°10¢   8m8 GH And

 

 

Sternbildkarte des mittleren Teils der Andromeda mit dem Doppelstern γ And (Alamak); die Objektanhäufung ist die Andromedagalaxie M31 samt Begleitern und dem Halo aus Kugelsternhaufen.

bild 04

 

Fernrohranblick des Doppelsterns Alamak mit den Komponenten γ1 (rötlich) und γ2 (bläulich), Winkeldistanz γ1 - γ2 knapp 10 Bogensekunden.

bild 05

 

Aufsuchkarte für die edge-on-Galaxie NGC 891 ausgehend vom Stern γ in der Andromeda.bild 06

 

Fotografie der Galaxie NGC 891 (Andromeda). Aufnahmedaten: 4 x 5min bei ISO 800, 16-Zöller fokal; 30.09.2011.bild 07

 

Aufsuchkarte für den Galaxienhaufen Abell 262 im Grenzbereich der Sternbilder Andromeda und Dreieck, ausgehend vom Stern β And (vgl. auch Karte in Abb. 2). Viele der angedeuteten Galaxien gehören zum Pisces-Perseus-Superhaufen.bild 08

 

Fotografie des Galaxienhaufens Abell 262 in der Andromeda mit dem hellsten Objekt NGC 708 knapp unterhalb der Bildmitte. Aufnahmedaten: 5 x 5min bei ISO 1600, 16-Zöller fokal plus CLS-Filter; 15.01.2012.

bild 09

 

Sternkarte im Bereich der Sternengruppe λ, κ, ι und ο im nördlichen Teil der Andromeda, Grenzbereich zur Eidechse (Lacerta, Lac).  Hervorgehoben ist die Position der Galaxie NGC7640 (im Text besprochen); markiert sind außerdem die Galaxien NGC 7618 und 7707 sowie der Planetarische Nebel NGC 7662.

bild 10

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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